Freikauf

Aus dem Buch Bereschit ( שִׁית (bere’šīt)), = (hebr.) „Am Anfang“ = dem Buch Genesis (Γένεσις) = (altgriech.) „Die Schöpfung“ = dem 1. Buch Mose

im Kapitel 37, Vers 18 ff.:


„(Da seine Brüder ) ihn nun sahen von ferne, … machten sie einen Anschlag, dass sie ihn töteten, und sprachen untereinander: Seht, der Träumer kommt daher. So kommt nun und lasst uns ihn erwürgen und in eine Grube werfen und sagen, ein böses Tier habe ihn gefressen, so wird man sehen, was seine Träume sind.

Da das Ruben hörte, wollte er ihn aus ihren Händen erretten, und sprach: Lasst uns ihn nicht töten. … Vergießt nicht Blut, sondern werft ihn in die Grube.

(Und sie) … nahmen ihn und warfen ihn in die Grube. … Indes hoben sie ihre Augen auf und sahen einen Haufen Ismaeliter kommen. …  Da sprach Juda zu seinen Brüdern: …  Kommt, lasst uns ihn … verkaufen, dass sich unsre Hände nicht an ihm vergreifen. … Und (sie) zogen … ihn heraus aus der Grube und verkauften ihn … um zwanzig Silberlinge.“


Für die Bundesregierung waren DDR-Bürger Deutsche im Sinne des Grundgesetzes und sie erkannte eine Fürsorgepflicht auch für „ihre“ zu Unrecht inhaftierten Staatsbürger. Dazu unterhielt die Bundesregierung sogar ein eigenes Ministerium: Das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen.

33.755 politische Häftlinge der DDR wurden in der Zeit von 1963 bis 1989 aus DDR-Haft in den Westteil Deutschlands entlassen. Mein Entlassungsschein dazu sieht so aus:

Hierfür lieferte die Bundesregierung in diesem Zeitraum Waren im Wert von insgesamt 3,5 Milliarden D-Mark ( = 1,7 Milliarden Euro) in die DDR.  

Die Kirchen spielten eher die Rolle des Ruben in der oben zitierten Geschichte. Die westdeutschen Landeskirchen organisierten die Gegenlieferungen gegen den Verkauf aus der Grube. Anfangs, das heißt 1963 lief dies über das Diakonische Werk Stuttgart

der Evangelischen Landeskirche Württembergs. Später übernahm Karl-Heinz-Neumann, der Präsident des Diakonischen Werks, also der Vereinigung aller Diakonischen Werke der Landeskirchen, die Silberlings-Aktion.

Verbunden war das Ganze mit einer „Entlassung aus der DDR-Staatsbürgerschaft“ und fungierte dann als „Ausweisung ausländischer Straftäter“. Meist hatten wir zum Zeitpunkt des Freikaufs, der „Ausweisung“  (eigentlich) noch eine Reststrafe abzusitzen. Die aber wurde von der Arbeiter- und Bauernmacht dann „zur Bewährung ausgesetzt“.

Die „letzte Rate“ für den Freikauf nahm die DDR am 24. September 1990 in Empfang:

3,7 Tonnen Kupfer, 57 Kilotonnen Erdöl und 1.034 Kleintransporter.


Mehr zu Kirche, Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl GIBT ES HIER.


Die Freikaufs-Aktionen waren so geheim, dass der (ehemalige) Bundesminister Egon Franke (SPD) 1984 selbst nicht mehr wusste, wohin denn die 5,6 Millionen D-Mark (= 2.800.000 Euro) verschwunden waren, die da in der Kasse fehlten.


Noch mehr zum Häftlingsfreikauf:


Hier gibt es dazu noch eine Geschichte aus meiner Feder

(HIER WEITER)