Friedliche Revolution ?

Ich kann Ihnen nur meine ganz persönliche Perspektive dazu schildern.

Zwei mal bin ich vom Staatssicherheitsdienst der DDR verhaftet worden, war in der DDR 3 Jahre in Haft,

14 Monate davon in Untersuchungshaft des Ministeriums für Staatssicherheit in Halle. Und obwohl das Oberste Gericht der DDR über mich in seinem Urteil vom 14. September 1984 vermerkt:

„In der Hauptverhandlung hat der Angeklagte erklärt,

dass er bereit sei, in der DDR zu bleiben.“

Und obwohl das so war wie es war, bin ich dann doch am 13. März 1985 in Handschellen außer Landes verschubt worden. Dies war bei politischen Gefangenen der DDR nach Einschätzung des Bundesverfassungsgerichts in einer Entscheidung vom 21. September 2000

 „in 90 bis 95% aller Fälle zu erwarten“

Ich gestehe: Darüber war ich mehr als erleichtert.

Den Mauerfall am 9. November 1989 ersah ich aus der Perspektive eines gerade gewählten Kreisvorsitzenden einer JUNGEN UNION in Tübingen. Ich war auf einmal ein Rädchen in einem Apparat, der CDU hieß. Und unser Apparat hatte zum 18. März 1990 eine Stellvertreter-Wahl zu einer Volkskammer in einem Ort, 549 km weit weg zu gewinnen. Wir vom Landesverband Baden-Württemberg hatten das nämlich in Sachsen „zu erledigen“ und unser Kreisverband bekam den Marschbefehl nach Oschatz. An „meine“ JU-Mitglieder hatte ich damals das geschrieben:

(zum Vergrößern bitte klicken).

„Wie die Landsknechte, die ein fremdes Land erobern“, so empörte sich im Februar 1990 der Genosse Uli Maurer, damals noch als Fraktionsvorsitzender der SPD im Stuttgarter Landtag …

„Wie die Landsknechte, die ein fremdes Land erobern, so fallen die HORDEN der schwäbischen JUNGEN UNION in Sachsen ein.“

Dabei waren die Unionsfreunde in Oschatz mir gegenüber ausgesprochen willig. Gut, der erste Sekretär der CDU-Kreisleitung in Oschatz war nicht zu gebrauchen. Er wimmerte immer nur rum, dass er „von dorr äS äE Dä vorzich Johre undordriggt“ worden sei. Aber sein Handlanger, der zweite Sekretär der CDU-Kreisleitung, der Unionsfreund Frank Kupfer war ein helles Köpfchen. Er stand so manche Nacht im Februar und März um 3:00 Uhr am Fax, denn nur um diese Uhrzeit konnte man senden und empfangen. Zu anderen Zeiten waren die Leitungen immer belegt. Außerdem trug Blockflöte Kupfer damals einen Bürgerrechtler-Bart und war deshalb auf der Stelle der Provinz-Thierse.

Ja und diese meine Perspektive ist dann eine ganz andere als die Perspektive des damaligen evangelischen Superintendenten von Oschatz. Das ist der Doktor (theol.)Martin Kupke mit seiner schönen Doktorarbeit über den „Klassenkampf im religiösen Sozialismus und seine Hintergründe sowie der praktische Kampf des Bundes der religiösen Sozialisten Deutschlands in der Weimarer Republik.“

Aus der Perspektive eines ostdeutschen evangelischen Theologen, gar noch eines promovierten ostdeutschen evangelischen Theologen, fand nämlich 1989/90 in Oschatz

eine FRIEDLICHE REVOLUTION statt und zwar hauptsächlich in seiner Kirche.

Noch ganz anders ist die Perspektive von Frank Kupfer selbst. Seine 3 Jahre als hauptamtlicher Blockflöten-Funktionär ist seines Eindruckes nach eine einzige Stasi-Verfolgung mit ihm als Opfer. Der erste Sekretär der CDU-Kreisleitung Oschatz war nämlich ein Informeller Mitarbeiter der Stasi. Dieser Jammer-Ossi, der „von dorr äS äE Dä vorzich Johre undordriggt“ worden war, hatte regelmäßig Berichte über seinen Adlatus geschrieben.

Sie verstehen, dass meine Perspektive eine andere ist, als die der Aufarbeitungsindustrie ?