amnesty international 1989 über die DDR

Erst nach 1994 konnte ich in den von der Stasi über mich angelegten Akten sehen, dass eine Gruppe der Gefangenenhilfsorganisation „amnesty international“ aus Bradford/Großbritannien 1984 während meiner Haft unermüdlich Briefe

an die zuständigen DDR-Behörden geschrieben hatte.

Aber auch unabhängig davon hatte ich mich als Student in die Organisation eingebracht. 1988 sprach ich das Thema „DDR“ auf der Jahres-(Haupt-) Versammlung der deutschen Sektion von amnesty international selbst an. Die Hefte, die wir auf unseren Ständen zu politischer Verfolgung in der DDR auslegten, waren über ein Jahrzehnt alt und kaum zu gebrauchen. Ich forderte 1988 auf der Versammlung etwas Aktuelles.

Von Seiten der üblichen Verdächtigen bei amnesty international kam wie immer der eher zynische Vorhalt, dass wir zum INLAND nicht arbeiten dürften. Die DDR sei nach der „Bonner Doktrin“ doch eben INLAND. Uns sei es doch laut Satzung von amnesty international verboten, zur politischer Verfolgung im eigenen Land zu arbeiten. Von dieser Seite gab es deshalb auch Gegenstimmen.

Mein Antrag ging ansonsten mehrheitlich durch die Versammlung. Die Frage ist in ehrenamtlich arbeitenden Organisationen immer: „Wer macht‘s ?“.

Wer Ideen hat, sollte sie auch umsetzen können, so sagte der Vorstand zu mir, und so hatte ich die Aufgabe mit „meiner“ Bonner Gruppe 1400 „am Bein“.

Wir waren fertig mit unserem Werk, als die Londoner Zentrale bei der deutschen Co-Gruppe ihr eigenes Büchlein ankündigte. Dass die Deutsche Sektion von amnesty international darauf hin unser Werk nicht (mehr) drucken wollte,

war durchaus folgerichtig. Was als Absender unseren Generalsekretär Ian Martin aus London hatte, war tatsächlich wirkungsvoller in Ostberlin, als ein Absender in Bonn.

Jetzt galt es, die Londoner Ausgabe schnell zu übersetzen. Und so machten wir uns wieder an die Arbeit .

„DDR-Rechtsprechung hinter verschlossenen Türen“ kam im Februar 1989 in die Buchläden. Es wurde 1992, zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR. noch einmal nachgedruckt.

(PDF, Download, 0,6 MB ) Ich will es Ihnen hier vorstellen.