249 StGB DDR, der „Assi“-Paragraph

Durch Gesetz vom 28. Juni 1979 erhielt der § 249 folgende Fassung:

§ 249. Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten.

(1) Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit beeinträchtigt, indem er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit entzieht, obwohl er arbeitsfähig ist, wird mit Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer der Prostitution nachgeht oder in sonstiger Weise die öffentliche Ordnung und Sicherheit durch eine asoziale Lebensweise beeinträchtigt.

(3) In leichten Fällen kann von Maßnahmen der strafrechtlichen Verantwortlichkeit abgesehen und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.

(4) Ist der Täter nach Absatz 1 oder 2 oder wegen eines Verbrechens bereits bestraft, kann auf Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren erkannt werden.

(5) Zusätzlich kann auf Aufenthaltsbeschränkung und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.“


In der dem § 261 Reichsstrafgesetzbuch nachempfundenen Norm waren schon mit Gesetz vom 7. April 1977 im § 249 Abs. 1 das Wort „Arbeitserziehung“ gestrichen und im Abs. 3 die Worte „Arbeitserziehung oder“ gestrichen worden. Diese gab es bis dahin und seit Erlass der Strafgesetzbuches der DDR.Arbeitserziehung“ war in der DDR eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr in einem Arbeitslager „bis der Erziehungserfolg eingetreten ist“. Sie konnte für „Assis“ bis auf 5 Jahre ausgedehnt werden.

Durch Gesetz vom 14. Dezember 1988 wurde der § 249 Abs. 4 aufgehoben.

Durch Vertrag vom 18. Mai 1990 wurde der gesamte § 249 aufgehoben. Durch Gesetz vom 29. Juni 1990 wurde der § 249 nochmals aufgehoben.


Zur Norm ist nicht per se zu vermuten, dass sie der politischen Verfolgung diente. Dies hat das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung vom 13. Februar 2000 ( 2 BvR 2707/93 ) umfangreich dargestellt.

Die Rehabilitierungssenate heben entsprechende DDR-Strafurteile insbesondere dann nicht auf, wenn dem Verurteilten in Tateinheit vorgeworfen wurde, er habe zum Lebensunterhalt gestohlen, auch Familienangehörige bestohlen oder er habe es durch seine Nichtarbeit unterlassen, seine minderjährigen Kinder zu unterhalten.

Diskussionen um „DDR-Zwangsadoptionen“, also die staatliche Entziehung des Sorgerechts und die Freigabe des Kindes zur Adoption, betreffen fast ausschließlich Familien, in denen einem Elternteil oder beiden von der DDR-Jugendfürsorge vorgeworfen wurde, das Wohl ihres Kindes mit einem Verhalten nach § 249 StGB DDR zu gefährden.

Das Zentrum für Zeithistorische Forschung, ZFF sieht bisher lediglich 7 belegte Fälle von „Zwangsadoptionen“ als politisch motiviert.

Übrigens: Ähnliche Strafvorschriften wie den § 249 StGB DDR gab es bis 1967 auch in Westdeutschland. Und eine zwangsweise Unterbringung des Kindes in einem Heim (um das Kind seinen Eltern zu entfernen) gibt es auch heute.

In Staaten, deren Gesellschaft etwas ärmer ist als die der Bundesrepublik und in denen Hartz IV nicht zu finanzieren wäre, wie z.B. Ungarn gibt es das Bestrafen des „Herumstreichens“ oder „aggressiven Bettelns“ mit Ordnungsgeld bis Haft auch heute.


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