Professor Schröder und sein Heldenmut

Lieber Genosse Professor Doktor Richard Schröder,

auf der Webseite des Genossen Bundespräsidenten fand ich die Worte:

„Der ostdeutsche Theologe Richard Schröder hat mit Blick auf die DDR beklagt, dass mehr an … Verfolgung erinnert werde als an die Opposition.

Es stimmt, es gibt wichtige Gedenkstätten, die an die Untaten der Stasi und ihre Opfer erinnern, aber wo ist der Ort, an dem von der Friedens-, Umwelt- und Demokratiebewegung erzählt wird? … wo ist der authentische Ort, der den MUTIGEN OPPOSITIONELLEN in der DDR gewidmet ist?“


Ja, da ist es wieder. Das Framing:

  • Auf der einen Seite die „Opfer“, die bei der Stasi in einer Zelle einsaßen. Und
  • auf der anderen Seite der „MUTIGE OPPOSITIONELLE“. Der Genosse Richard Schröder.

Der Professor Doktor Richard Schröder natürlich. Mit einem Doktor-Titel. Anerkannt von einer DDR-Universität des Namens „Karl Marx“.

Opposition, lieber Genosse Schröder, ist ein Begriff der parlamentarischen Demokratie. In der DDR war dies bei Gefängnisstrafe verboten.

Vaclav Havel hat es einmal gut beschrieben. Auch hat er beschrieben, warum es so etwas im Osten nie geben konnte.

In einem totalitären Staat (Vaclav Havel sagt: „in einem POSTtotalitären Staat“ ) gibt es keine Opposition. Und 1989 ist die DDR auch nicht an einer „Opposition“ zu Bruch gegangen, sondern an dem 40-jährigen FEHLEN VON OPPOSITION. Jedem Staatswesen wird es so ergehen, in dem die Regierung ihre Kritiker mit dem Vorwurf der „staatsfeindliche Hetze“ überzieht. Sie vom Staatsanwalt verfolgen läßt. Das Gebälk wird verfaulen, wenn der frische Wind einer Opposition fehlt. Irgendwann stürzt das Haus dann ein.

Wohl aber gab es in der DDR Dissidenz und Widerstand. Und Widerstand hat in einer Diktatur IMMER mit Verfolgung zu tun und nie mit den Dingen, die so genannte „ehemalige DDR-Oppositionelle“ am Revers zu stecken haben.

Aber genau das ist ja der Plan der Geschichts-Revidierer:

– Die Verfolgten nicht als Gegner der Diktatur darzustellen, sondern als Opfer eines Zufalls, einer „Stasi-Willkür“,

– den Leisetretern des „Demokratischen Blocks der Parteien und Massenorganisationen und der „Kirche im Sozialismus“ eine Oppositionsrolle anzudichten.

Kurz: Die Diktatur nicht als Diktatur zu beschreiben.

Wenn ich lese, was Sie 1988/89 für eine „Friedensbewegung“ zu einem „Konziliaren Prozess Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ geschrieben haben ..

Das Kapitel 3: Mehr Gerechtigkeit in der DDR – unsere Aufgabe, unsere Erwartung …

Also Professor Doktor Richard Schröder, das ist schon eine Leistung, ein 27-seitiges „Oppositionspapier“ zur Gerechtigkeit in der DDR des Jahres 1988/89 zu schreiben,

in dem Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl NICHT vorkommen. Mit keiner Silbe.

Es ist mir ja  verständlich, dass Sie das nicht über Ihre Lippen und nicht über Ihre Feder brachten. Wenn Sie da hineingeschrieben hätten: „DIE MAUER MUSS WEG“, dann wären Sie ja kein „MUTIGER OPPOSITIONELLER IN DER DDR“ geworden, sondern ein in der DDR Verfolgter. Hätte böse in einer Stasi-Zelle geendet.

Nix für ungut

Bodo Walther


P.S.:

Zuerst dachte ich ja, ich würde sie im Beirat der Stasi-Unterlagenbehörde mal persönlich kennenlernen. Aber Ihren Platz dort hat ja nun die Genossin Budde eingenommen.


P.P.S.:

Professor Doktor Richard Schröder mailte mir:

Gesendet: Samstag, 16. März 2019 um 15:53 Uhr
Von: „Richard Schröder“
An: „‚Bodo Walther'“
Betreff:

Nachdem Sie mich öffentlich verleumdet haben, möchte ich Sie nicht persönlich kennenlernen. Ich habe mich übrigens noch nie als Oppositionellen bezeichnet.

Schröder.

 

7 Gedanken zu „Professor Schröder und sein Heldenmut

  1. „Der Professor Doktor Richard Schröder natürlich. Mit einem Doktor-Titel. Anerkannt von einer DDR-Universität des Namens „Karl Marx“.“
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    „Richard Schröder studierte Theologie und Philosophie an den Kirchlichen Hochschulen Naumburg (Saale) und Berlin. Von 1973 bis 1977 war er Pfarrer in Wiederstedt im Harz. 1977 erfolgte die Promotion, die 1990 durch die neue Regierung staatlich anerkannt wurde.“
    © Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Schr%C3%B6der_(Theologe)
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    Herr Schröder wurde offenbar an einer Kirchlichen Hochschule der DDR im Jahr 1977 promoviert. Der dort erlangte Doktorgrad war offensichtlich in der DDR bis 1990 nicht staatlich anerkannt. Wenn die Anerkennung durch die Universität Leipzig geschah, dann tatsächlich unter dem Namen „Karl-Marx-Universität“, da sie erst im Jahr 1991 umbenannt wurde.

  2. Herr Schröder fühlt sich öffentlich verleumdet, schreibt ohne Anrede und Grußformel. Ist das kindisch! Gut, er hat seine besten Jahre hinter sich.

  3. Komisch finde ich es schon, wenn sich jemand, der eine „Verlautbarung“ des Bundespräsidialamtes aufs Korn genommen hat, von einem, sich offenbar „getroffenen Hund“, anbellen lassen muss. Denn selbst wenn Herr Professor Schröder sich selbst nicht als Oppositionellen verstanden und bezeichnet haben will, so lässt sich doch nicht leugnen, dass er am 18. März 1990 in die Volkskammer gewählt wurde und dort vom 3. April bis zum 21. August Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei in der DDR war. Es lässt sich auch nicht leugnen, dass sich die Sozialdemokratische Partei der DDR am 20. August 1990 aus der Koalitionsregierung Lothar de Maizière zurückgezogen und Richard Schröder am 21. August den Fraktionsvorsitz abgegeben hatte.
    Herr Walther irrte sich wohl, wenn er in Anlehnung an Václav Hawel glaubte, meinen zu können, es habe in der DDR keine Oppositionellen gegeben.
    Komisch ist nur, dass Richard Schröder wegen eines Irrtums gleich von öffentlicher Verleumdung redet, im selben Atemzug aber auch erklärt, er habe sich noch nie als Oppositionellen bezeichnet und er wolle Herrn Walther nicht persönlich kennenlernen.
    Wobei, komisch ist das gar nicht, dass die Genossen sich lieber selbst verleugnen anstatt sich der Wahrheit zu stellen.

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