Ilse Junkermann und die armen Schwarzen in Afrika

Guten Tag, gute Hirtin Junkermann,

meine Erläuterung ist wohlmeinend. Ins Netz stelle ich diese Zeilen, weil Sie auf direkte Briefe eh nicht antworten.

Ihre Kirche bemüht sich wieder um die Armen. Diesmal um  Mosambikaner, die für ihre Arbeit in der DDR bis heute keine Dollar oder Euro oder D-Mark oder so was erhalten haben. Dieses (nach Auffassung Ihrer Kirche) Unrecht haben Sie ja mit Fachleuten heiß diskutiert.

Zunächst, Frau Junkermann, weil Sie das nicht wissen können: In der DDR erhielt NIEMAND seinen Lohn in Dollar oder Euro oder D-Mark oder so was.

Mit Ausnahme natürlich der Pfarrer. Aber die kriegten nicht ihr ganzes DDR-Pfarrergehalt in Westmark. Allenfalls einen Teil. Meist als Sachleistung. Im Westpaket.


Fangen wir ganz von vorn an. Mit dem Begriff DEVISEN.

Das sind auf ausländische Währungen lautende oder in diese umtauschbare Zahlungsmittel. Gold zum Beispiel ist in alle Währungen dieser Welt umtauschbar. Inländische Währungen, die in ausländische Währungen umgetauscht werden können, nennt man konvertierbar. Und das waren die Alu-Chips, mit denen man in der DDR entlohnt wurde, NICHT.

Die DDR-Mark war eine Binnenwährung und durfte nicht aus der DDR ausgeführt und auch nicht in die DDR eingeführt werden.

Sie war nicht einmal in der Tschechoslowakei etwas wert. Wenn wir als Jugendliche nach Böhmen fuhren, dann schleppten wir immer einen Rucksack voller Konserven mit. Und natürlich die Ersatz-Zahlungsmittel. Das sind z.B. amerikanische Zigaretten oder Kaugummis. Die sind immer Ersatz-Zahlungsmittel und waren es auch 1946, wenn da etwa Ihr Großvater, Frau Junkermann, auf Reisen gehen wollte.

Die DDR hatte keine Devisen. Oder besser: Sie war knapp dran damit.

Aber sie konnte sich diese Devisen durch christliche Nächstenliebe verschaffen. Ich zum Beispiel wurde zum 13. März 1985 für 95.847 Deutsche Mark (= 49.005,61 Euro) durch die Kirche verkauft.

Wie einst Josef von seinen Brüdern.

Mit diesen 49.005,61 Euro konnte man im Sozialismus wieder ein paar Tage wirtschaften.


Aber zurück zu den Mosambikanern:

Die DDR-Mark war in Mosambik nichts wert.

Ein Mosambikaner konnte mit den in der DDR verdienten DDR-Mark, mit etwaigen Geld-Ersparnissen, zu Hause nichts anfangen. Gut, der eine oder andere Vertragsarbeiter brachte eine Sache mit nach Hause. Ein Moped S50 zum Beispiel.

Aber es war schon schwer, das in der DDR zu erwerben, auch auf dieses gab es Anmeldelisten. „Sofort“ bekam man es nur gebraucht. Und die Ausfuhr als Privater war (eigentlich) wegen des DDR-Außenhandelsmonopols des Staates unmöglich. Das ging allenfalls als „Umzugsgut“.

Deshalb hatten sich die DDR und Mosambik darauf geeinigt, dass den in der DDR arbeitenden Mosambikanern zunächst

  • 25 % ihres Lohnes zu Hause in Mosambik in der dortigen Landeswährung, dem Metical ( von Arabisch: Mithqāl, مثقال  ) ausgezahlt wird. Der war in den damaligen 1980er Jahren auch nicht konvertierbar. 75 % ihres Lohnes konnten bzw. mussten sie in der DDR „auf den Kopf hauen“. Später wurde das geändert, für sie wurde eine Auszahlung von
  • 60 % ihres Lohnes in Metical vereinbart. Mit 40% des Lohnes sollten sie in der DDR leben.

Sie beklagen, Frau Junkermann, dass die Mosambikaner damit in der DDR „wie Sklaven“ lebten und sich „nichts gönnen konnten“.

Entschuldigen Sie, Frau Junkermann: Haben Sie schon mal mitbekommen, wie ungarische, rumänische oder bulgarische Vertragsarbeiter HEUTE in Deutschland leben ? Auf deutschen Baustellen ? In deutschen Schlachthöfen ? Sie sparen sich jeden Cent von ihrem mageren Lohn vom Munde ab. Für zu Hause. Für die Familie. Dorthin übersenden sie weit mehr als 60% ihres Lohnes.

Nichts für ungut

Bodo Walther

3 Gedanken zu „Ilse Junkermann und die armen Schwarzen in Afrika

  1. Lieber Herr Walther,
    ich denke – glauben kann ich ja schon lange nichts mehr – ich denke, Sie bringen da etwas gewaltig durcheinander.
    Was die Beschäftigung von EU-Ausländern aus dem ehemaligen Ostblock angeht, so würde ich das doch besser „tätige Nächstenliebe“ nennen. Die Ausbeutung Schwächerer und Fremder liegt im ureigenen Interesse derer, die anderen gern Gottes Segen spenden. Und einmal ganz ehrlich, ohne Umverteilung würden ja die Mittel fehlen, um sich gegenüber den Mittellosen großzügig zeigen zu können. Von den europäischen Werten gar nicht zu reden, die wir denen allen sozusagen gratis verteilt haben, die ehemals in Diktaturen leben mussten.
    Das ist das eine, das andere sind Afrika und die Aufarbeitung des Unrechts, das in der historischen Phase der Kolonialzeit seit Beginn der Neuzeit den Menschen in der Welt außerhalb Europas, also auch in Afrika angetan worden ist. Verkündigung der „Frohen Botschaft“ und Unrechtsaufarbeitung sind der gläubigen Christenheit ureigenste Sache.
    Welch Glück für Afrika, dass
    Frau Junkermann*In auch DDR-Unrecht aufarbeitet. So bleiben denn Glaube und Hoffnung dem Afrikaner. Aabeer die Liebe der Frau Junkermann ist das Größte unter den drei.
    Ich glaube, der Billiglöhner aus dem EU-Ausland wie der Afrikaner bekommen mit der Liebe zu unseren europäischen Werten mehr, als sie in der ehemaligen DDR und dem übrigen Ostblock jemals verdient haben. Selbst dann, wenn die von den armen Schluckern erbrachte Arbeitsleistung nicht nur mit einem Vergelt’s Gott vergolten würde, hätten sie der Liebe und der Frau Bischöfin nicht, so wäre ihnen’s eine Auszahlung in Euro oder Dollar nichts nütze.
    Christliche Werte und europäischer Glaube sind unveräußerlich.

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