Nachrichtendienste im Wandel

Nachrichtendienste, also Dienste die Nachrichten sammeln, haben es heute schwer. Darüber berichtet Frau Doktor Karola Willes Gebührenfunk. Die Schlagzeile:

„Gewalt gegen Journalisten nimmt zu.“

So habe zum Beispiel am 1. September 2018 ein MDR-Kamerateam die Wohnung eines Chemnitzer Bürgers betreten. Weiter habe es seinen Abfilme-Apparat auf dessen Balkon aufgebaut. Dann sei ein Mann gekommen, habe ihnen die Kameras aus der Hand geschlagen und den einen Nachrichtendienstler die Treppe hinunter geworfen.

Es sei der Wohnungsinhaber gewesen, berichtet uns das Netz hier und hier. Der habe sich auf so Dinge wie das Grundgesetz berufen und „Hausfriedensbruch“ und so.

Folgerichtig diskutiert die taz, ob solche irgendwie doch staatlichen Nachrichtendienste nicht künftig unter Polizeischutz in z.B. Wohnungen eindringen sollten. Wegen Pressefreiheit und so.


Im antifaschistischen Arbeiter-und Bauernstaat war das alles schon verwirklicht. Damals, als Frau

Doktor noch an ihrer Doktorarbeit bastelte.

Bei mir zum Beispiel planten die Jungs vom Nachrichtendienst am Freitag dem 13. Januar 1984 mal eine heimliche Heimsuchung.

Sie feilten dazu sogar einen Wohnungsschlüssel nach (zum Vergrößern des Bildes bitte klicken). Der IM „Peter“ also einer der Kundschafter des Friedens, sollte für den 13. Januar 1984 genau beobachten, ob auch niemand in der Wohnung drin ist. Heimlichkeiten sind ja nicht mehr heimlich, wenn jemand zuguckt. (Siehe unten,

zum Vergrößern bitte klicken.)

Also der „IM Peter“ rief beim Nachrichtendienst an, dass alles leer sei. Um 18:30 Uhr steckte der nachrichtenfreudige Genosse Burkhardt seinen nachgefeilten Wohnungsschlüssel in unser Schlüsselloch. Er wunderte sich schon, dass gar nicht verschlossen war, dachte sich aber nichts dabei. Vielmehr schlich er auf leisen Sohlen in unsere Küche.

Dort saßen gerade meine Mutter und meine Brüder beim Abendbrot. „Was machen Sie denn hier ?“ – so fragte der Genosse Burkhardt mit seinen Jungs vom Nachrichtendienst. Meine Mutter sagte: „Ich wohne hier ! Was machen SIE denn hier ?“. Ja, sagten die Nachrichtendienstler, das sei eine Haussuchung. Worauf meine Mutter sagte: „Da will ich aber mal den Durchsuchungsbeschluss (damals: „Haussuchungsbefehl“) sehen.“

Das war die nächste Panne. Die Nachrichtendienstler hatten immer  einen Stapel Blanko – „Durchsuchungsbefehle“ in ihrer Nachrichtenzentrale. Das hätte dieses Chemnitzer Kamerateam des Staatsfunks am 1. September 2018 sicher auch gern gehabt. Aber der Genosse Burkhardt hatte das Formular um 18:30 Uhr VERGESSEN. Also sagte er: „Oh, den haben wir gar nicht mit, ich hole ihn gleich.“ Seine Kollegen blieben da und schon nach 25 Minuten war er mit dem „Durchsuchungsbefehl“ der Staatsanwaltschaft zurück.

Kann alles wieder werden in Deutschland, wenn wir nicht aufpassen.

Übrigens: Die Jungs vom Nachrichtendienst haben lauter Schwarz-Weiß-Bilder von meinem Zimmer gemacht. Der Genosse Michael Burkhardt hatte ja auch noch den Farbfilm vergessen. Anhand der Bilder haben sie später eingeschätzt, ob es eher ordentlich aufgeräumt oder eher unordentlich war. Ich habe den Roland Jahn, das heißt, seine Behörde erst mal

verklagt Er möge die Fotos in den Schredder schieben.

Wieso muss die Bundesrepublik Deutschland archivieren, ob das Jugendzimmer von Bodo Walther eher ordentlich aufgeräumt oder eher unordentlich war ? Warum ist nicht eher der Zustand von Claudia Roths Jugendzimmer von staatstragendem Interesse ? Zumal die Jungs vom Nachrichtendienst

„Belastendes“ über mich doch eh nicht gefunden hatten.

Ach, ist das lange her. Wenn ich heute Jugendlichen davon erzähle, dann muß ich immer sehr weit ausholen und erst mal erklären, was ich mit „Ofenblech“ meine,

dass das heute „Funkenschutzplatte“ heißt und was man darunter alles verstecken kann.

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