Katrin Budde, Erich Mielke und seine Wähler

Morgen habe ich also wieder Sitzung des

Beirates des Stasi-Unterlagenbehörde. Da werde ich wohl meine Lieblingsgenossin Katrin Budde (SPD) wieder sehen. Wir hatten mal einen Streit darüber, aus welcher Perspektive die DDR-Geschichte zu betrachten sei. Genossin Budde hatte einen Gesetzesentwurf im Magdeburger Landtag eingebracht, wonach diese „Aufarbeitung“ nur geschehen könne aus der Perspektive eines Menschen, der bis zum 9. November 1989 in der DDR verweilt und zu 98,7 % den Kandidaten der Nationalen Front des Antifaschistischen Blocks seine JA-Stimme gegeben hat.

Ich hingegen, der ich, wie über 90 % aller politischen Gefangenen der DDR vor diesem Datum ausgebürgert und außer Landes geschafft wurde, hatte dagegen geklagt (Zum Prozess bitte klicken). Warum will der Antifaschistische Block unsere Perspektive denn ausschließen ?

Ja und nun geht es in die nächste Runde. Der Spitzenkandidat der Parteien der Nationalen Front des Antifaschistischen Blocks in meiner Vaterstadt Weißenfels war ja ein Speditionskaufmann namens Erich Mielke. Er war dies auch in Merseburg, Hohenmölsen, Naumburg und Zeitz in Sachsen-Anhalt, also dem damaligen Volkskammerwahlkreis 36.

Er war im Staat der Kutscher, Dachdecker und Tischler, also im Arbeiter- und Bauernstaat, ein sehr fleißiger Abgeordneter der DDR-Volkskammer. Unten ist der Erich bei den Bauern in Nessa im damaligen Kreis Hohenmölsen unter seinen Wählern abgebildet. Die DDR war ja ein Arbeiter- UND Bauernstaat.

Klicken Sie auf des Bild und der Bericht der SED-Kreisleitung über seinen Wahlkampf im Kreis Hohenmölsen öffnet sich Ihnen als PDF.

Morgen im Beirat der BStU wird sich wieder die Frage stellen: Warum eigentlich die DDR-Geschichte aus der Perspektive der Wähler der Kandidaten des Antifaschistischen Blocks erzählen ? Wie das die Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundestages, die Genossin Budde für richtig hält ? Warum nicht gleich die DDR-Geschichte erzählen aus der Perspektive des Kandidaten Ministers für Staatssicherheit der DDR, des Speditionskaufmanns Erich Mielke selbst ?

Das Projekt, welches diesen Plan verfolgt, heißt „Campus für Demokratie“. Erich Mielkes Schreibtisch ist das zentrale Ausstellungsstück.

Tcha, die deutsche „Aufarbeitung der SED-Diktatur“ nimmt etwa zeitgleich mit der Entsorgung Hubertus Knabes schon seltsame Wege. Und erstaunlich, wer da inzwischen alles mit herumrührt in der „Aufarbeitung“, sogar IM Victoria hat den Löffel in der Hand …


P.S.: Bin mal gespannt, ob der Roland Jahn morgen wieder seine alte Idee aus 2015 ausbuddelt. Wenn die Stasi-Akten ins Bundesarchiv gingen, so der fleißige Mann, könnte ja für ihn ein Posten als Ombudsmann der Geschlagenen der DDR-Diktatur herausspringen.

Wie bestellt ist ja eine entsprechende „Denkschrift“ aus dem Hause Dieter Dombrowski schon eingetrudelt.

Klicken Sie (PDF). Lesen Sie. Es ist Druckfrisch. Gerade so vier Wochen alt.

Ein Gedanke zu „Katrin Budde, Erich Mielke und seine Wähler

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