Das Russlandbild der Deutschen

Der Ruhr-Universität zu Bochum und sicher nicht nur dieser ist aufgefallen, dass es in West- und Ostdeutschland sehr verschiedene Ansichten zur Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen gibt.

Über das Zeitzeugenbüro der Stiftung Aufarbeitung hat die Ruhr-Uni Bochum gezielt  Menschen befragt, die vor 1989 aus der DDR in den Westen gegangen sind oder gegangen wurden. Ich habe den fleißigen Forschern Folgendes geantwortet:


Sehr geehrte Damen und Herren,

über das Zeitzeugenbüro hatten Sie mich gebeten, den beiliegenden Fragebogen zum Rußlandbild auszufüllen. Dieser liegt anbei. Gestatten Sie, dass ich dazu doch noch mehr schreibe:

Ein wichtiges Buch 1989 war Rolf Henrichs „Der Vormundschaftliche Staat“.

Rolf Henrich beschreibt 1989 die DDR als westlichste Bastion des russischen Imperiums. Wer die DDR verstehen wolle, so Henrich, müsse nicht Marx und Engels studieren, sondern russische Geschichte und müsse russisch lernen. Daraus leitet er alles Weitere ab, auch den „Vormundschaftlichen Staat“.

Die Eliten der DDR, die „Kader“, auch Rolf Henrich selbst, der einmal dazu gehörte, sprachen ab einer bestimmten Höhe der Hierarchie in der DDR fließend russisch. Sie hatten in Russland studieren oder mindestens ein „Kulturpraktikum“ absolvieren „müssen“. Russisch war die Kommandosprache in der Armee des Warschauer Paktes. Das Russlandbild, dass diese Kader spiegelten, auch der DDR-Bevölkerung spiegelten, war meiner Einschätzung nach und nach Gesprächen mit diesen Kadern keineswegs nur positiv. Eher differenziert. Und: kenntnisreich. Helmut Kohl wusste diesen Personenkreis noch 1993 zu nutzen. Ich habe das auf meiner Webseite geschildert, dort …

Dass die russische Orthodoxie ein Bollwerk gegen den Westen ist, habe ich erst 1993 begriffen und begriffen, warum. Auf meiner Seite habe ich dies im im Web

auch erzählt, dort …

In Westdeutschland hingegen habe ich vor 1989 eine große Wissenslücke in Sachen ALLER slawischer Sprachen und Kultur erlebt. Eine Ausnahme machten die Waldorfschulen, in denen man russisch lernte. Das Bild dort war politisch meist GRÜN und friedensbewegt und in Teilen nicht frei von Antiamerikanismus. Einem „Wessi“, der 1990 russisch sprach, konnte man ins Gesicht sagen: „Aha, Du warst auf der Waldorfschule !“ Und man erhielt zur Antwort: „Woher weißt Du das ?“.

Im Sommer des Jahres 2018 war ich das erste Mal nach 25 Jahren wieder in St. Petersburg. Russland ist heute ein reiches und stabiles Land. Die Menschen waren allerdings 2018 mir gegenüber nicht mehr sooo freundlich wie sie es 1993 auch in aller Armut noch waren. Sie waren auch nicht mehr so neugierig, wie sie 1989 noch auf einen „Westdeutschen“ neugierig waren. Dazu habe ich auch auf meiner Webseite erzählt, dort …. 

Kein Wunder, ich bin heute Bürger eines Staates, der Embargos gegen Russland verhängt und die Neugierde befriedigt das Internet.

Der Fragebogen liegt, wie gesagt, bei.

Bodo Walther

Ein Gedanke zu „Das Russlandbild der Deutschen

  1. „Die Eliten der DDR, die „Kader“, auch Rolf Henrich selbst, der einmal dazu gehörte…“
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    Henrich, der als Kind mit seiner Mutter aus Hannover in die DDR umgesiedelt war, trat im Alter von 20 Jahren im Jahr 1964 der SED bei. Während seines Jurastudiums in Jena verpflichtete er sich im Jahr 1966 als geheimer Informant der Stasi unter dem Decknamen „Streit“. Er sollte im Ausland eingesetzt werden. Laut einem Tonbandprotokoll der Stasi soll „Streit“ versucht haben, einen Münchner wegen dessen Unhehelichen Verhältnisses zu einer DDR-Bürgerin zur Zusammenarbeit mit der Stasi zu erpressen. Später weigerte sich Henrich, weiter mit der Stasi zu kooperieren.

    Quelle: Christian Booß, Im goldenen Käfig. Zwischen SED, Staatssicherheit, Justizministerium und Mandant – die DDR-Anwälte im politischen Prozess
    S. 684

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