facebook und die Gemeinschaftsstandards

Die „Gemeinschaftsstandards“ bei Facebook sind schon ein Mysterium.

Gestern veröffentlichte die „Freie Presse“ zu Chemnitz einen Artikel über den Zwickauer Pfarrer i.R. Edmund Käbisch,

der vor 1989 immer offen gewesen sei in seiner Domkirche

für „DDR-Oppositionelle

UND

(in die DDR entlassene ehemalige DDR-) Strafgefangene„.

Ich schrieb den Freien Press’ler auf ihre Facebookseite (Die Links waren natürlich nicht „drin“, außer der Letzte.):


Werte Freie Presse,

der Pfarrer Käbisch, der immer offen gewesen sei sowohl „Für Oppositionelle“ als auch „Für (in die DDR entlassene) Strafgefangene“. …

Opposition, liebe FREIE PRESSE, ist ein Begriff der parlamentarischen Demokratie und war in der DDR bei Gefängnisstrafe verboten. Es gab deshalb in der DDR bis Herbst 1989 keine Opposition. Wohl aber gab es Dissidenz und Widerstand. Widerstand gegen eine ungerechte Rechtsordnung ist denknotwendigerweise ein Verstoß gegen dieselbe und deshalb immer ILLEGAL. In der Regel erklärt diese Rechtsordnung diesen Widerstand auch als strafbar.

Als ich 1982 aus 20 Monaten Stasi-Haft nach Weißenfels in der DDR entlassen wurde, traf ich dort in dem damaligen Weißenfelser Kreisjugendpfarrer auch so einen an, der sich wie Edmund Käbisch engagierte. Curt wollte mich und „andere straffällig gewordene junge Menschen“ nun wieder zu „ordentlichen Menschen“ machen. Ich sollte erst mal die von mir begangene „Straftat“ bereuen, Besserung geloben und den Ausreiseantrag zurückziehen. Dann werde alles wieder gut.

Solche „Aufarbeiter“ des „SED-Unrechts“ können bis heute nicht wirklich differenzieren, was z.B. einen Strafvorwurf einerUngesetzlichen Verbindungsaufnahme, § 219 StGB DDRvon einem Strafvorwurf des „Asozialen Lebenswandels, § 249 StGB DDR“ in Tateinheit mit der Vernachlässigung der Unterhaltszahlungen für das eigene Kind, § 141 StGB DDRunterscheidet.

Worin also „Das SED-Unrecht“ der „SED-Unrechtsjustiz“ denn nun bestanden haben soll.

Hier mal zum politischen Strafrecht der DDR …

Nichts für ungut.

Bodo Walther


Verstieß gegen die „Facebook-Gemeinschaftsstandards“.

 

2 Gedanken zu „facebook und die Gemeinschaftsstandards

  1. Da werden Erinnerungen wach.
    Ich war ja als Jugendlicher in der evangelischen Kirche sehr aktiv, das hatte zur Folge, dass ich an der Jugendweihe nicht teilnahm und nicht in der FDJ war. Mein Hang zur christlichen Religion hatte sich mit Anfang Zwanzig bei mir ausgewachsen. Kurz darauf wurde ich in Ostberlin wegen Wehrdienstverweigerung inhaftiert. Meine Eltern suchten bei der Kirche Rat, dort wurde ihnen als Spezialist RA Wolfgang Schnur empfohlen. Herr Schnur hieß im Zweitberuf IM Torsten und war übrigens ein guter Kumpel von Horst Kasner, dem Vater unserer Kanzlerin. Die Bemühungen meines Rechtsanwaltes hatten auf das Strafverfahren und das Strafmaß keinen Einfluss. Ohne mein Wissen, hatte sich Schnur an Bischof Albrecht Schönherr gewandt um Vergünstigungen für mich zu erreichen, u.a. mich namentlich im Fürbittengebet sonntäglichen Gottesdienste der Landeskirche Berlin/Brandenburg aufzunehmen. Für den mit Fürbitte bedachten Delinquenten versprachen sich natürlich nicht einmal die beteiligten Seelsorger direkte Einmischung von ganz oben in die inneren Strafverfolgungsmaßnahmen der DDR, sondern es ging eher darum, sich mit den Strafverfolgten solidarisch zu erklären, oder wie man heute sagen würde, ein Zeichen zu setzen. Das Ansinnen wurde aus dem Büro des Bischofs abschlägig beschieden, weil dort die Recherche als Motiv meiner Verweigerung nicht christliche Friedensliebe, sondern eher den Wunsch die DDR zu verlassen, ergeben hatte.
    Schnur, Kasner und Schönherr waren übrigens Mitglieder im:
    „Weißenseer Arbeitskreis (Kirchliche Bruderschaft in Berlin), das war eine im Jahr 1958 entstandene Gruppe von evangelischen Theologen in der DDR, die für eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Staat eintraten und von Gegnern als SED-treu bezeichnet werden. Er wurde von der DDR-Staatssicherheit gefördert bzw. beeinflusst.“ (Wikipedia)

  2. POST SCRIPTUM:

    Auf Facebook und per Mail haben mir Mitmenschen vorgeworfen, ich würde mit dem Beitrag oben über die Facebook-Gemeinschaftsstandards unzulässigerweise von dem „opportunistischen Weißenfelser Kreisjugendpfarrer“ auf den „mir völlig unbekannten standhaften Doktor Käbisch“ schließen. Und das ist FALSCH.

    Der 1982 in Weißenfels gewesene Kreisjugendpfarrer Curt Stauss war keineswegs nur Opportunist. Er wurde wenig später nicht umsonst DDR-Landesjugendpfarrer und nach 1990 „Beauftragter des Rates der EKD für Seelsorge und Beratung von Opfern der SED-Kirchenpolitik“. Er war in manchen Dingen sogar ausgesprochen mutig. Das „Bußwort“ der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands in Sachen DDR ist maßgeblich sein Werk. Gut, das „Bußwort“ der Kirchen – Sozialisten aus der Kirche im Sozialismus vernebelt in manchen Teilen.

    Es ist ähnlich dem „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ vom 18./19. Oktober 1945 aufgebaut. Bei dem verlautbarten ja ehemals beinharte National – Sozialisten das Folgende:

    „Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat;
    weniger
    aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“

    Aber gut, die sächsische Landeskirche hat nicht mal das hingekriegt.

    In der Selbstwahrnehmung eines Curt Stauss und in der Selbstwahrnehmung eines Edmund Käbisch waren die Ausreiseantragsteller 1982 „die Opportunisten“, die „feige den Kampfplatz verließen“. Die Herren Pfarrer hingegen empfanden sich selbst als die standhaften Helden. Kaum jemand reflektiert heute, dass ostdeutsche Pfarrer bei Strafe eines Berufsverbotes seitens ihrer Kirche vor dem Rentenalter nicht selbst in den Westen „übersiedeln“ durften. Beim Umstieg in einen anderen Job verloren sie im Westen alle ihre kirchlichen Versorgungsansprüche. Wie halt ein Beamter, der aus dem Beamtenverhältnis entlassen, auch alle seine Pensionsansprüche verliert. Und die Nachversicherung bei der DRV brachte DEUTLICH weniger mit an Knete. Das befanden die Pfarrer damals auch fast einstimmig als richtig so. Das mit dem Verlust der kirchlichen Versorgungsansprüche befinden sie auch heute noch als richtig. Das ist eingefressen in ihrem Theologenhirn.

    Wer in der DDR unter dem Vorwurf der „versuchten Republikflucht“ eingesessen hatte, war noch 1982 für diese Leute, na ja, schon irgendwie jemand seeeeehr Verruchtes. Straffällige halt. ICH ERINNERE MICH.

    Das änderte sich erst 1988, als die Zahl der Ausreiseantragsteller in der DDR die Zahl von 200.000 überstieg.
    ………………………………………………………

    Hier mal noch ein Schmankerl aus der Feder der Kirchensozialisten aus dem Jahr 2012 (!!!).

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