Die Genossen von der Stasi

Sie haben mir (und wahrscheinlich allen Mitgliedern des Beirates der Stasi-Unterlagenbehörde) über die Behörde etwas zugesandt. Da sie meine Antwort sowieso veröffentlichen werden, mache ich das mal gleich selbst:


Guten Tag, Genosse Bauer von der GRH, DDR-Staatsanwalt außer Diensten,

guten Tag, Genosse Grimmer, Oberst der Staatssicherheit außer Diensten aus den Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppen (ZAIG),

guten Tag, Genosse Rehbaum, Oberst der Staatssicherheit außer Diensten,

guten Tag, Genosse Schmidt, Oberstleutnant der Staatssicherheit außer Diensten aus der Auswertungs- und Kontrollgruppe der Hauptabteilung XX zur Anleitung der auch heute wieder so genannten „Kulturschaffenden“,

Ihre Broschüre „Wahrheit und Versöhnung? – Zum Umgang mit der DDR-Geschichte“ hat mir Herr Roland Jahn übersenden lassen.

Auch Ihr Anschreiben dazu, Herr Bauer, wurde mir übersandt. 

(Zur vollständigen Ansicht bitte klicken). Selbstverständlich hat die Jahn-Behörde dafür auch die Porto-Kosten übernommen

Wie war denn nun das Wahrheits- und Versöhnungs – Gespräch zwischen Ihnen und Roland Jahn am 19. Oktober 2018, von dem Sie berichten?

(Zur vollständigen Ansicht bitte klicken). War der Kaffee gut ? Gab es schon Stollen ? Haben Sie sich wieder versöhnt ? Wird Herr Jahn nun Wahrheitsminister ?

Sie wollen also mitwirken beim Umbau des Geländes des vormaligen Ministeriums für Staatssicherheit zu einem „Campus für Demokratie“. Sie sind erstaunlich helle in Ihrem Alter. Sie haben richtig erkannt, dass alle aus Steuergeldern finanzierten „Programme für Demokratie“ noch vor zwölf Monaten „Programme gegen rechts“ hießen. Richtig kombinieren Sie, dass der Inhalt all dieser Programme nach wie vor derselbe ist. Und sie ziehen einen Schluss:

Das ist logisch. Allerdings erscheint mir Ihr Vorhaben ambitioniert.

  • Sie, Herr Bauer, werden im März 78 Jahre alt.
  • Sie, Herr Grimmer, sind nun auch schon 76,
  • Sie, Herr Rehbaum befinden sich bereits unter den über 80-Jährigen und
  • Sie, Herr Schmidt, feiern im nächsten Jahr Ihr 82. Wiegenfest.

Weitaus Jüngere sind im Geschäft.

Hat Roland Jahn Ihnen das am 19. Oktober 2018 verschwiegen?

Nehmen wir mal z.B. eine Broschüre aus dem Haus einer Ihrer Kolleginnen für die staatsamtliche „Demokratieförderung“ in Mecklenburg-Vorpommern. In der Presse wird sie heftig diskutiert:

Eine Anleitung zur Frage:

„Wie erkennt man bereits im Kindergarten die Kinder von „Nazi-Eltern“ ?

Jetzt mal ehrlich, Genosse Schmidt, Oberstleutnant der Staatssicherheit außer Diensten: Hätten Sie das wirklich besser hingekriegt ? Mit 81 Jahren ist man nicht mehr auf der Höhe seiner Leistungskraft. Das Sehvermögen lässt nach, nicht alles lässt sich mehr merken und manchmal verwechselt man ja auch was:

Zum Beispiel im Punkt 5 Ihrer Broschüre (Sie nennen es „Fragen“):

Es ist ja richtig, dass Sie als Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Straf-Gesetze der DDR, das politische Strafrecht der DDR, umsetzten. Es ist auch richtig, dass es keines weiteren Forschungsauftrages an einen Forschungsverbund SED-Staat zu dieser Erkenntnis bedarf. Es genügt ein Blick in die Strafprozessordnung der DDR, StPO DDR. Genauer in den § 88 Absatz 2 Nr. 2.

Das MfS war ein Untersuchungsorgan der DDR-Staatsanwaltschaft und gemäß § 89 Absatz 2 StPO DDR den Weisungen der DDR-Staatsanwaltschaft, also Ihren Weisungen, Genosse Bauer, unterworfen.

Gegenüber 3.668 Per­sonen eröffnete das Ministerium für Staatssicherheit noch 1988 ein Ermittlungsverfahren mit Untersuchungshaft. 1.734 Verfahren daraus, also 54 % hatten den § 213 des Strafgesetzbuches der DDR (Vorbereitung einer „Republikflucht“) zum Vorwurf.

Ja und jetzt haben Sie Erinnerungslücken:

Genosse Erich Honecker hatte sich zu diesen Verhaftungen unter dem Vorwurf des „ungesetzlichen Grenzübertritts“ in 1979 gegenüber dem Herausgeber seiner Autobiografie, dem britischen Verleger Robert Maxwell konkret geäußert. Damals, 1979, waren es 1.634.

Die DDR könne die Verletzung ihrer Grenzen nicht dulden, so Genosse Honecker. Auch die USA schütze ihre Staatsgrenze zu Mexiko und dulde dort keine „illegalen Grenzübertritte“. Und im Wesentlichen diese Gleichsetzung gab ja auch die Konrad-Adenauer-Stiftung am 13. August diesen Jahres, am Gedenktag des Mauerbaus wieder. Mit einem Foto vom US-Amerikanischen Grenzzaun zu Mexiko.

Als irgendwie dasselbe.

So weit, so ungut. Und dass Sie auf der Linie vom Genossen Honecker argumentieren, meine ich dann auch gar nicht mit „verwechseln“.

Nein, ich meine den Punkt 7 Ihrer Broschüre, in dem Sie auf angeblich gleichlautende Gesetze und Handhabungen der Republik Frankreich verweisen. Das hatte aber doch der Genosse Honecker 1979 gar nicht behauptet ! Gucken Sie bitte noch einmal nach in ihren Schulungsbriefen.

Eine ruhige Adventszeit wünsche ich Ihnen,

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr !

Bodo Walther


Post Scriptum:

„Wahrheit und Versöhnung“ sind Pastoren-Salbe. Unsere offene Gesellschaft ist so groß, dass man einander auch aus dem Weg gehen kann. Auch Kirchen-Kaffees kann man links liegenlassen. Steh-Bäckereien gibt es an jeder Strassenecke.

Als politisches Schlagwort stammt „Wahrheit und Versöhnung“ aus der Republik Südafrika und ist dort nach dem Fall der Apartheid entstanden.

  • Weiße und ihre weißen Kinder und ihre weißen Enkelkinder und
  • Schwarze und ihre schwarzen Kinder und ihre schwarzen Enkelkinder

sollten sich in „Wahrheits- und Versöhnungskommissionen“ versöhnen. Die Zukunft sollte eine multikulturelle sein.

Spätestens die weißen Enkelkinder und die schwarzen Enkelkinder Südafrikas sollten friedlich einen Kaffee miteinander trinken. So wie Sie und Roland Jahn am 19. Oktober in der Stasiunterlagenbehörde. Ein Blick in die Tagespresse zeigt, dass dies in der Republik Südafrika gründlich NICHT funktioniert.

Schon der Denkansatz passt auch vorn und hinten nicht auf die DDR-Geschichte.

  • Ob Ihre Kinder und Enkelkinder Genossen sind, können sie nicht bestimmen. Es gibt ja (zum Glück) keine „Stasi-Gene“, die vererblich wären, wie etwa die Pigmentierung der Haut. Und
  • dass meine Kinder und Enkelkinder Antikommunisten sind, kann ich (leider) auch nicht vererben.

 

4 Gedanken zu „Die Genossen von der Stasi

  1. Der Hl. Stuhl mit Hauptsitz in Rom, weltweit einer der führenden Dienstleister im Vollsortiment Scherzartikel, führt neben den Pastorensalben „Wahrheit und Versöhnung“ auch das Nischenprodukt Barmherzigkeit, ein echter Ladenhüter. Um die Regale leer zu bekommen, beging die römisch-katholische Kirche vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 „Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit“. Papst Franziskus hatte es mit seiner Bulle misericordiae vultus am 11. April 2015 aus Anlass des 50. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils am 8. Dezember 1965 als außerordentliches Heiliges Jahr ausgerufen. Im Jahr der Barmherzigkeit gab es Versöhnung im Angebot. Ich kann nicht nachvollziehen, warum von den alten Stasisäcken kein Gebrauch davon gemacht wurde. Billiger hätten sie ihr Seelenheil nicht bekommen können!

    Papst Franziskus schreibt:

    „Das Wort der Vergebung möge alle erreichen und die Einladung, die Barmherzigkeit an sich wirken zu lassen, lasse niemanden unberührt. Mein Ruf zur Umkehr richtet sich mit noch größerem Nachdruck an alle Menschen, die aufgrund ihrer Lebensführung fern sind von Gott. Ich denke hier besonders an die Männer und Frauen, die einer kriminellen Vereinigung angehören,
    welche auch immer diese sei.“ (MV 19)

    Ich frage mich allen Ernstes, warum Bauer, Grimmer, Rehbaum, Schmidt & Co. im Hl. Jahr der Barmherzigkeit keine Vergebung und endlich Ruhe gefunden haben.

    Was mich wirklich wundert, wo doch heutzutage von Gauck, Birthler und Biermann über Maria Nooke und die 40 postfaktischen Bürgerrechtler der DDR allesamt dem Kampf der Frau Anetta Kahane gegen Rechts erste Priorität einräumen. Angesichts der drohenden Gefahr, die von der AfD ausgeht, verblassen die „Fehler“, die der Partei und ihrem Staatssicherheitsdienst beim Aufbau des Sozialismus unterlaufen sind. (Vergessen sind die Schlaglöcher, z.B. auf den von den Nazis hinterlassenen Autobahnen und vergessen ist längst, dass die Kritik an den Schlaglöchern wie an DDR – „Versorgungsengpässen“ ein als Staatsverbrechen eingestuftes Delikt war. )
    Erste Priorität hat für die „Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in der DDR“ heutzutage der skurrile Sexismus in der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen. Ein Grund, der Erinnerung den Garaus oder diese zumindest stasikonform zu machen.

    https://www.google.com/amp/s/www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/12/gedenkstaette-hohenschoenhausen-knabe-erklaerung-ex-buergerrechtler.htm/alt=amp.html

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