Burkhard Lischka und die verboten guten Sozialdemokraten

Lieber Genosse Lischka,

etwas verblüfft war ich schon, als ich Ihre Auffassung las, die SPD sei:

„Die älteste demokratische Partei Europas, die

im Osten Deutschlands noch bis 1989 von den Kommunisten verboten war.“

Das ist ja so ganz nicht richtig. Sehen Sie, die linke Gewerkschaft IG Medien – Druck und Papier, Publizistik und Kunst (IG Medien) zum Beispiel wurde nicht 2001 verboten, sondern sie vereinigte sich mit vier weiteren Gewerkschaften zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di).

So war das auch 1946 mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, SPD im Osten. Sie vereinigte sich am 21. und 22. April 1946 mit der Kommunistischen Partei Deutschlands, KPD,

zur Sozialistischen Einheitspartei.

Das war der Wunsch vieler  Sozialdemokraten. Wegens der „Einheit der Arbeiterklasse“ und „Kampf gegen RECHTS“ und so. Die Genossin Kolb-Jannsen zum Beispiel, eine in allen Wassern gewaschene Sozialdemokratin und 2006 bis 2016 SPD-Justizministerin in Magdeburg schrieb noch 1989 in ihrer Doktorarbeit:

„Auf der Grundlage des sozialistischen Eigentums an den Produktionsmitteln und der Ausübung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei im Bündnis mit allen anderen Werktätigen … „

… und so weiter und so fort …..“

Aber wahrscheinlich werden Sie auch dazu sagen:

„(Das) in die linksradikale Ecke zu stellen, ist bodenlos.“

Übrigens: Ein schönes Gemälde hängt in der Landesgalerie in der Moritzburg zu Halle.

Es ist 1946/47 von Herbert Stockmann gemalt. Es nimmt auf den Vereinigungsparteitag von Kommunisten und Sozialdemokraten Bezug und heißt „Die Ersten.“ Können Sie auf dem Bild Kommunisten und Sozialdemokraten unterscheiden ? Besuchen Sie das Original.

Kunst bildet.

Mit freundlichen Grüßen

Bodo Walther

 

 

CDU, LINKE und die Aufdampfquote

Lieber Leiter der Hauptabteilung Wissenschaftliche Dienste/Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung,

lieber Unionsfreund Dr. Michael Borchard,

lieber Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen,

lieber Genosse Klaus Lederer,

ich bitte noch einmal um Entschuldigung dafür, dass ich gestern nicht zu Ihrer gemeinsamen Veranstaltung des 11. Hohenschönhausen-Forums anwesend sein konnte. Sie hatten mir die Einladung ja sogar per Post zugeschickt.

Ja, der DDR-Stasi-Überwachungsstaat

Wissen Sie eigentlich noch, was im sozialistischen Wettbewerb der DDR

eine „AUFDAMPFQUOTE“ war ?

Also dazu muss ich sehr weit ausholen in eine Zeit, die Sie gar nicht mehr kennen. Dies war einmal vor vielen, vielen Jahren, als es in Deutschland noch Postministerien gab. Das waren Ministerien für Brieftransport und Telekommunikation mit richtigen Postämtern und richtigen deutschen Postbeamten, welche Briefe zustellten. Heute ist das ja alles privatisiert und globalisiert und deshalb kann auch die Deutsche Post AG einen wertvollen Betrag zur Integration hierherkommender arabischsprachiger Schutzsuchender leisten. Sie ist das einzige deutsche Unternehmen, dass in nennenswerter Weise solche Neubürger einstellt. Zum Brief- und Pakettransport. Manche fordern deshalb ja auch deutsche Straßenschilder mit arabisch untertitelten Schriftzeichen.

Also in jenen Zeiten, als es auch in der DDR noch einen Postminister gab, hieß Ihre Partei, Genosse Lederer noch „Sozialistische Einheitspartei Deutschlands“ – SED und Ihre Partei, Unionsfreund Borchard, noch „Christlich – Demokratische Union Deutschlands“, CDUD.

Beide Parteien arbeiteten gut und vertrauensvoll zusammen, so wie Sie beide heute. Und weil das Vertrauen zueinander so gut war, bekam die CDU in der DDR immer das Postministerium. Der zum Beispiel DDR- Postminister Rudolph Schulze

von der CDU (Minister 1963 bis 1989) hatte einen sehr verantwortungsvollen Job.

Einen Brief von mir zum Beispiel ließ er mal durch seinen Postamtmann Maschke

„gemäß § 11 Absatz 1 der DDR-Postordnung von der Beförderung ausschließen.“

Der Mensch, an den meine Worte gerichtet waren, war nämlich ein gegen die Vorschriften der Deutschen Demokratischen Republik verstoßender Organismus. Und das wiederum verstieß gegen Schulzen seine Postordnung.

Um das aber erst mal rauszufinden, lieber Unionsfreund Borchard, lieber Genosse Lederer, …

… um das rauszufinden mussten die Unionsfreunde vom DDR-Postministerium den Brief natürlich aufmachen. Das geschah – lachen Sie nicht – damals mit Dampf. Der Klebstoff, der die Briefumschläge damals zusammenhielt, war wasserlöslich und mit Wasserdampf konnte dann so ein Briefumschlag geöffnet werden.

Unionsfreund Schulze, der Postminister, unterhielt zu diesem Zweck eine „Stelle (=Abteilung) 12“ und  in jedem Kreispostamt in jeder der 218 DDR-Kreisstädte einen oder mehrere „Aufdampfräume“.

Gleich daneben waren in jedem Kreispostamt in jeder der 218 DDR-Kreisstädte die Telefonabhöranlagen angebracht. Unionsfreund Schulze war ja Minister für Post UND TELEKOMMUNIKATION. Und auch am Telefon konnten ja gesetzeswidrige Worte durch die Kupferleitung huschen, was ja auch zu verhindern war. Es gab übrigens wenig Kupfer in der DDR und deshalb auch wenig Telefone.

Im Jahr 1985 zum Beispiel ließ Unionsfreund Schulze TÄGLICH 90.000 Briefe aufdampfen.

Wichtig, wichtig, wichtig waren für Ihre Parteien, lieber Unionsfreund Borchard , lieber Genosse Lederer, wichtig waren die Briefe, die aus der DDR oder in die DDR gingen in oder von einem Land, das seine Hauptstadt in einem geheimnisumwitterten Ort namens Bonn – Bad Godesberg hatte

Von diesem Land trennte die DDR ein „antifaschistischer Schutzwall“ und schon wegen des Kampfes gegen den Faschismus und um eine Wiedererrichtung des 3. Reiches zu verhindern, war Vorsicht geboten. Ihre Parteien, also CDU und LINKE waren damals der Meinung, dass eigentlich jeder Brief, der den antifaschistischen Schutzwall überquerte, aufgedampft gehört. Allerdings scheiterten die Unionsfreunde vom DDR-Ministerium für Post und Fernmeldewesen bis zum Schluss an dieser Aufgabe. Die „Aufdampfquote“ lag bei 60 %  (!).

Für 1989 verpflichteten sich die Post-Unionisten jetzt nun aber wirklich eine AUFDAMPFQUOTE VON 90 %  zu erreichen. Bekanntlich haben sie auch das wieder nicht hingekriegt.

Woher ich das alles weiß ?

Unionsfreund Erhardt Neubert, 1997 bis 2005 Abteilungsleiter Bildung und Forschung bei dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen hat das mal herausforschen lassen. Der Titel der von seiner Abteilung herausgegebenen Broschüre: Handbuch der Staatssicherheit, Linie M …

… der Titel ist etwas irreführend.

Unionsfreund Erhardt Neubert, auch so ein alter Kämpe aus der DDR-Block-CDU, „der er nach einigen Jahren kritischer Distanz seit 1997 WIEDER angehört (So im Osterrundschreiben der EAK der CDU Sachsen-Anhalts 2002)“, also Unionsfreund Neubert hat mit der Broschüre Wert darauf gelegt, dass die Abteilung 12 des Postministeriums identisch war mit der Linie M des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Unionsfreunde hatten gewissermaßen alle einen Doppel – Job. Und deshalb ist man in der CDU heute auch der Meinung, eigentlich habe gar nicht der Unionsfreund Schulze von der CDU an der Aufdampfquote gearbeitet und in die Kupferleitungen gehorcht, sondern der Genosse Mielke von der SED, der Kollege Minister von der Stasi.

Ja, das ist so ein Phänomen und das nennt sich AUFARBEITUNG:

Dieses „Stasi-Zeugs“ will mancher nicht wirklich selber gewesen sein und

das wird irgend jemandem anderes in die Schuhe geschoben. Hier haben wir ein schönes Beispiel von einem CDU – Bundesparteitag in Stuttgart:

Die CDU habe vielleicht den Postminister gestellt, so einer der Unionsfreunde,

„Aber die eigentliche Macht hatte eindeutig die SED“ (zum Vergrößern bitte klicken).

Köstlich finde ich übrigens, lieber Unionsfreund Borchard, Ihre Publikation von der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Titel: „Ein politischer Zweikampf in Deutschland – Die CDU im Visier der Staatssicherheit.“

Der Buchklappentext:

„Die CDU … im Osten gehörte zu den Gegnern der SED und des MfS.

Zwischen SED und CDU entstand ein politischer Zweikampf, der exemplarisch ist für die Konfrontation zwischen einem totalitären Konzept und der demokratischen Idee in Europa.“

Das ist natürlich auch wieder von Blockflöte Erhardt Neubert verfasst. Gibt’s das Märchenbuch noch bei Ihnen ?

Ich wünsche Ihnen frohes Gelingen ! Stoßen Sie auf die baldige CDU/LINKE – Koalition in Brandenburg an ! Ich bin bei so was eher nicht dabei.

Ihr

Bodo Walther