Ministerpräsident Rainer Haseloff (DDR-CDU) und das Kontaktverbrechen

Lieber Unionsfreund Dr. Rainer Haseloff,
die Frau DOKTOR Carola Wille
vom MDR-Gebührenfernsehen hat mir Ihre Aufforderung per ZDF übermittelt:
SIE WOLLEN ALLEN ERNSTES EINE ERKLAERUNG VON DER AFD.
Wörtlich werden Sie zitiert zu „gemeinsamen Demos von AfD-Politikern und Rechtsextremen.“ Ich möge dazu „Stellung nehmen“. Wie habe ich mich verhalten zu jedem einzelnen der 800 bis 7500 bis 9.000 Demonstrationsteilnehmer einer Demo der Opposition ? Habe ich vielleicht in ungesetzlicher Weise Verbindung aufgenommen zu einem Unberührbaren ? Habe ich ihm sogar einen „Guten Abend“ gewünscht ?


Lieber Unionsfreund Rainer Haseloff,

eigentlich sollten Sie das doch selbst wissen, Sie spielen doch nun schon seit 1976 Blockflöte in der Ost-CDU. Also:

Ich war unter dem Vorwurf solch einer ungesetzlichen Verbindungsaufnahme zu Unberührbaren bereits in einer Straf- und Besserungsanstalt. Ich war deswegen schon 1984 in Bautzen. Das Urteil des Obersten Gerichts der DDR vom 14. September 1984 steht hier.

Das Urteil stammt, wie gesagt, aus dem Haus von Unionsfreund Heinrich Töplitz, dem Präsidenten des Obersten Gerichts der DDR aus der DDR-Block-CDU. Es war übrigens meine zweite Verurteilung. Unionsfreunde hatten mir deshalb ins Urteil geschrieben,

ich hätte „keine Schlussfolgerungen aus der vorangegangenen Bestrafung gezogen.“

Ihr

Bodo Walther


P.S.:

Was macht in Sachsen-Anhalt eigentlich dieses „psychosoziale Netzwerk für Betroffene der DDR-Diktatur“ ? Da, wo diese 96 Seelenklempner mit 185 Beratungen auf einen (waren es mehrere ?) „Betroffenen der DDR-Diktatur“ zugestürmt sind. Wo also jeder Seelenklempner zweimal ran musste. Hat dieser „Betroffene der SED-Diktatur“ (oder waren es mehrere ?) nun die RICHTIGENSchlussfolgerungen aus der vorangegangenen Bestrafung gezogen“ ?

 

 

Von Opposition und nachträglich erfundener Opposition

Sie können es nicht lassen.

Eine Gruppe „DDR-Oppositioneller“ hat mal wieder eine Erklärung erklärt. Eine


Gemeinsame Erklärung zu Chemnitz – „Chemnitz ist gleich nebenan“

Darin heißt es, gerichtet an die Staatsanwaltschaft:

„Handeln Sie, klagen Sie jene an, die morden und jene,

die solche und andere Straftaten zum Anlass nehmen für … verfassungsfeindliche Aktivitäten.


Tcha, ihr lieben „DDR-Oppositionellen“:

Opposition gegen die Politik der Regierung ist in der parlamentarischen Demokratie verfassungsgemäß. Im Parlament hat die Opposition da sogar besondere Rechte. Auch eine öffentliche Demonstration gegen die Regierung ist für Bürger des Staates – in Deutschland: Deutsche – in der Verfassung der Demokratie vorgesehen.

Nicht im Grundgesetz vorgesehen, das ist richtig, ist eine „Gegen-Demonstration“ von Möchtegern-Einwanderern, die dann die deutschen Staatsbürger als Nazis beschimpfen

und die deutschen Staatsbürger auffordern, ihr deutsches Heimatland zu verlassen. Das Demonstrationsrecht ist ein Bürgerrecht, ein Recht der deutschen Staatsbürger.

Eine staatsbürgerliche Opposition, das zeichnet eine Diktatur im Gegensatz dazu aus, ist allerdings in dieser für Staatsbürger „verfassungsfeindlich“.

Opposition zerstört ja die „verfassungsmäßigen Grundlagen der … Staats- und Gesellschaftsordnung“ der Diktatur.

Deshalb ist auch der Begriff „DDR-Opposition“ für Menschen, die tagsüber als Bereichsleiter in einer Behörde der DDR-Diktatur dienten und sich dann heimlich abends hinter den verdunkelten Fenstern eines Kirchenkellers trafen …

Deshalb ist der Begriff „Opposition“ für diese Leute nicht das richtige Wort. Es gab hinter dem Eisernen Vorhang keine Opposition.

Vaclav Havel hat das mal (und schon 1978) sehr gut beschrieben.

Es gab auch in der DDR keine Opposition. Hätte es in der DDR eine Opposition geben können, hätten Dissidenten sich öffentlich versammeln können, hätten sie nicht heimlich und in ständiger Sorge vor dem antifaschistischen  Nachrichtendienst …

… ( so genannten „Fachjournalisten“) ihre Treffen abhalten müssen, wäre dieser Staat ja eine Demokratie und keine Diktatur gewesen. Und nebenbei: Die DDR brach 1989 zusammen nicht infolge einer Opposition, sondern infolge des 40-jährigen Fehlens von Opposition. So fielen die verfaulten Balken einer „Wir – haben – immer – Recht“ – Regierung ein. Jedem Staat wird es so ergehen, wenn die Regierung glaubt, auf eine Opposition und ihr Wächteramt, die frische Luft im Gebälk, verzichten zu können.

Und dass es in der DDR 40 Jahre keine Opposition gab (wohl aber gab es Dissidenz und Widerstand) …

… Dass es in der DDR 40 Jahre keine Opposition gab, hatte ja seine zu fürchtenden Ursachen: Das politische Strafrecht der DDR zog seine Grenzen für das Reden, Schreiben und Versammeln. Wer diese Grenzen übertrat, wurde verhaftet und saß bei der Staatssicherheit ein (Und wer dort nie war, hatte sie nie übertreten).

Hubertus Knabe und die friedliebenden Menschen aus Syrien

Lieber Hubertus Knabe, lieber Helmuth Frauendorfer,

vielen Dank für Ihre Einladung zur Veranstaltung, mit der Sie nächsten Donnerstag „erstmals ehemalige politische Gefangene und deren Angehörige aus Syrien und der DDR“ zusammenbringen, „um Erfahrungen auszutauschen.“

Leider kann ich nicht, …

… habe aber doch einige Fragen an die Frau Fadwa Mahmoud und die Frau Asmaa Al Farraj, die Frauen aus Syrien. Die haben ja ein Mammutprogramm, haben ja bereits nächsten Dienstag eine Veranstaltung bei Kirchen’s unter dem schönen Titel

Der Krieg ist nicht zu Ende bis …, diese FRIEDLIEBENDEN.

Dass Anna Fleischer aus der Grün-Alternativen Liste Hamburgs in die Veranstaltung einführt, läßt ja einiges erahnen.

Schön auch, dass die ehemalige politische DDR-Gefangene Monika Schneider spricht, sie saß ja ein unter dem Vorwurf des § 213 Abs. 2 StGB DDR. Also dem Vorwurf,

… als Bürger der Deutschen Demokratischen Republik rechtswidrig nicht oder nicht fristgerecht in die Deutsche Demokratische Republik zurückgekehrt zu sein bzw. staatliche Festlegungen über den Auslandsaufenthalt verletzt zu haben.

Schon der Versuch, ja die Vorbereitung dazu war strafbar. 


Und da, lieber Hubertus Knabe, lieber Helmuth Frauendorfer, möchte ich mich nun gern schlau machen:

Welche Strafen hat ein heimkehrender Syrer heute von Seiten der grausamen Assad-Diktatur zu erwarten wegen dieses Auslandsaufenthalts und dieser Festlegungen ?

Die Meinungen gehen auseinander.

Achim Menzel, die (leider viel zu früh verstorbene) Stimmungskanone vom Mitteldeutschen Rundfunk, MDR, der 1973 mit 6 Monaten Verspätung  von einer Westreise in die DDR zurückkehrte, … Achim Menzel kriegte für so was 10 Monate, ausgesetzt allerdings auf Bewährung.

Seine Chefin, die MDR-Intendantin und „friedliche Revolutionärin“ Frau Dr. Karola Wille,

(oben im Bild [klicken] als Kuratoriumsmitglied eines Vereins entgrenzter Reporter)…

Also Frau DOKTOR vom Gebührenfernsehen hat ihre Meinung in ihrer Doktorarbeit dargelegt:

„Der Rechtsverkehr in Strafsachen zwischen der DDR und anderen sozialistischen Staaten …

… unter besonderer Berücksichtigung der Strafverfolgung.“

Das ist ein sehr wichtiges wissenschaftliches Werk. Leute wie die politische DDR-Gefangene Monika Schneider mussten ja in Zusammenarbeit mit den böhmischen Organen eingefangen und dann zur Strafverfolgung in die DDR überstellt werden.

Ja und da, lieber Hubertus Knabe, lieber Helmuth Frauendorfer, gab es schon vor über dreißig Jahren diese Probleme mit diesen Ungarn: Die hatten das gar nicht unter Strafe gestellt, wenn jemand

staatliche Festlegungen über den Auslandsaufenthalt verletzt.

Die machten nicht mal solche Festlegungen. Die Chefin vom Mitteldeutschen Gebührenfernsehen, führt das auf Seite 43/44 ihrer Doktorarbeit aus:

„So bildet zum Beispiel ein ungesetzlicher Grenzübertritt gemäß § 213 Strafgesetzbuch der DDR in der Alternative der Nichtrückkehr in die DDR entsprechend dem Strafgesetzbuch der Ungarischen Volksrepublik ( § 217 ) keine strafbare Handlung, womit auch keine Auslieferungsmöglichkeit existiert.

Die damit verbundene Interessenschädigung der DDR und die Nichterreichung der Ziele des Strafrechts im konkreten Fall mögen die Brisanz dieser theoretischen Fragestellung veranschaulichen.“ 

Der Victor Orban, dieser Schlingel steckte wahrscheinlich schon damals, 1986 als Jura-Student hinter dem Schlamassel. Während Frau Wille auf Seite 34 ihrer Promotion doch dargelegt hat:

Von einer Existenz der Auslieferung in der Sklavenhaltergesellschaft zeugen erste Auslieferungsverträge.

Beispiels weise wurde die Auslieferung gegenüber flüchtigen Sklaven zwischen Griechenland und dem römischen Imperium angewandt.

Also kurz,  lieber Hubertus Knabe, lieber Helmuth Frauendorfer:

Werden Syrer, die heute nach Syrien zurückkehren, wegen „Republikflucht“ bestraft ?

Mein Parteifreund Jürgen Pohl meint, das sei Quatsch, um Syrien herum gebe es auch keinen Stacheldrahtzaun, in dem der Herr Assad sein Volk gefangen halte.

Die Intendantin vom Gebührenfernsehen hingegen, ja das ganze Gebührenfernsehen überhaupt, sieht das eher kritisch.

Übrigens: Weil es Ihnen ja um die AUFARBEITUNG geht nächsten Donnerstag … Also die Monika Schneider …. im Spiegel der Wiederverwertung von Frau DOKTOR als „unsere Wahrheitssysteme…“

… unsere Wahrheitssysteme“, das ist doch eine mächtig gewaltige AUFARBEITUNG oder ?).

Mit besten Grüßen

Bodo Walther


P.S.:

Lieber Hubertus Knabe, lieber Helmuth Frauendorfer,

jetzt mal Tacheles, Ihr großen „Experten“ :

KEINER meiner Haftkameraden in Bautzen, Hohenschönhausen oder anderswo hat je Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung angewandt oder auch nur gebilligt. Auch nicht in so genannten „moderaten Aufständischengruppen.“

Erich Honecker und seine Hildigund

Bei Hildigund Neubert, der stellvertretenden Vorsitzenden der Konrad-Adenauer Stiftung und dortigen obersten Aufarbeiterin des „SED-Unrechts“ haben sie einen gucken lassen. Die „Ruhrbarone“ …

… die „Ruhrbarone“ berichteten. Die Berliner Mauer, so die „Aufarbeiter“ bei Adenauers, sei so eine Mauer gewesen, wie auch heute auf der Welt. Im Bild rechts oben zeigt Hildigund die Mauer zu Samaria („Westbank“) in Israel, darunter eine Küsten-Sperranlage an der Grenze USA/Mexiko.

Die Gleichsetzung ist uralt, wurde immer wieder vorgebracht und wie man sieht:

Steter Tropfen höhlt den Stein. Erich Honecker höchstselbst trug es schon vor einigen Dutzenden von Jahren gegenüber Robert Maxwell vor,

dem Verleger seiner Autobiografie.

„Überall auf der Welt“, so Honecker 1979, würde an der Grenze auf Grenzverletzer geschossen. Ausdrücklich nannte Erich Honecker im Interview die oben von den Adenauers abgebildete Grenze USA/Mexiko. Und im Gegensatz zur Bundesrepublik, so Honecker 1979 (!!!), im Gegensatz zur Bundesrepublik, dessen § 11 des Gesetzes über den unmittelbaren Zwang bei Ausübung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Bundes (UZwG) den Schuß auf Grenzverletzer vorsehe, gebe es in der DDR gar keinen Schießbefehl.

Damals wiesen die westdeutschen Qualitätsmedien das noch einhellig zurück. Es sei doch wohl ein Unterschied, ob man jemanden nicht REINlasse oder jemanden nicht RAUSlasse, schrieb der Spiegel damals noch.

35 Jahre später schon ist dann der gesamte Blätterwald auf Honeckers Gleichsetzungs-Linie. Merke:

STETER TROPFEN HÖHLT DEN STEIN.


Hildigund Neubert ließ die Gleichsetzung 2015 so los:

„Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

wir unterstützen Ihre Politik der offenen Grenzen. …

Es ist kein Verdienst, in Deutschland geboren worden zu sein. Es ist ein zufälliges Privileg, das wir nicht unter uns aufteilen, sondern mit anderen teilen sollten. Wir werden in Zukunft mehr, viel mehr aufwenden müssen, um die Fluchtursachen … Zerstörung der Lebensvoraussetzungen durch Dürre oder Flut … zu bekämpfen,

und unseren eigenen Anteil daran auf den Prüfstand stellen. –

…Erst 25 Jahre liegt es zurück, dass wir selbst hinter Zäunen, Stacheldraht und Mauern eingesperrt waren. Wir gehörten damals zur Oppositions- und Bürgerrechtsbewegung in der DDR und Osteuropa. … Wir wollen keine Zäune errichten, die wir für uns selbst vor mehr als 25 Jahren niedergerissen haben ….

Hildigund Neubert etc. pp. …“


Und bis heute hinterfragt keiner das Märchen:

Haben die „DDR – Oppositionellen“ DIE MAUER NIEDERGERISSEN ?

War eine Hildigund Neubert neben ihrem Arbeitsverhältnis als DDR-Staatsangestellte im Chor des Nationaltheaters zu Weimar „DDR-oppositionell“ ? Konnte man das überhaupt sein, ohne seine Kündigung im DDR-Staatsdienst einzufangen ?

Was so genannte „DDR-= Oppositionelle“ noch am Morgen des Tages, an dem die Mauer fiel, am 9. November 1989 von sich ließen, liest sich, als wollten sie die Mauer auf ewig halten. Über das „Neue Deutschland“ und alle von der SED gesteuerten Zeitungen ließen sie es das Land und die Leute wissen (am Abend zuvor wurde es in der „Aktuellen Kamera verlesen“). Für Hildigund Neubert, Mitbegründerin des „Demokratischen Aufbruch“ unterschrieb es ihr Parteisprecher und Ehemann Erhardt Neubert:

„Liebe Mitbürgerinnen liebe Mitbürger,

wir alle sind tief beunruhigt. Wir sehen die Tausende, die täglich unser Land verlassen. … Wir bitten Sie, bleiben Sie doch in Ihrer Heimat, bleiben Sie bei uns!

Helfen Sie uns, eine wahrhaft demokratische Gesellschaft zu gestalten, die auch die Vision eines demokratischen Sozialismus bewahrt. …


P.S.: Wenn auch niemand für seinen Vater haftet, angemerkt sei schon, dass Hildigund Neuberts Vati Heino Falcke, Pfaffe zu Erfurt, einer der eifrigsten Verteidiger der „DDR-Friedensgrenze“ war. Er predigte z.B. noch 1985:

„Die geschlossene und schwerbewachte Grenze ist in der Tat einer der wundesten Punkte unseres Staates. … Wir können sie nur als ein Faktum hinnehmen. Dafür, dass wir das tun sollten, gibt es allerdings politische Gründe, die vor allem mit der Erhaltung des Friedens in Mitteleuropa zu tun haben. …

Der Apostel Paulus spricht von der Befreiung aus traditionellen Ordnungen … Trotz dieser Emanzipation in Christus empfiehlt er …Sklaven, … in den untergeordneten Verhältnissen zu bleiben (1. Korinther 7,20 f; Römer 13, 1 ff; Galater 5,13 f).“

Heino Falckes VOLLSTÄNDIGE PREDIGT GIBT ES HIER …

 

 

Wem gehört das Gestern ?

Für sie, so hat die „Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“, Frau Pastorin-Neumann-Becker gegenüber der Berliner Zeitung gesagt, …

… für sie sei diese Entscheidung im ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin Hohenschönhausen, „Herrn Faust vorerst keine Führungen mehr zu gestatten, nachvollziehbar.“

Frau Pastorin sitzt im Stiftungsrat der Gedenkstätte Hohenschönhausen.  Sie hatte das mitzuentscheiden. Und seine Entscheidung, so Hubertus Knabe, sei mit ihr und dem ganzen Stiftungsrat „abgestimmt“ . Mein Haftkamerad Siegmar Faust ist ja dringend der Nähe zur Alternative für Deutschland, AfD verdächtig. Schließlich ist Frau Pastorin (im Bild unten links) …

… schließlich ist Frau Pastorin ja von der politischen Konkurrenz, Mitglied bei BÜNDNIS90 / DIE GRÜNEN.

Allerdings, so die Aufarbeiterin dieser ganzen SED-Diktatur mit ihren Einheitswahlen,  „Allerdings muss und wird Herr Faust Gelegenheit bekommen, sich zu den Vorgängen noch einmal zu äußern.“ Warum wählt er, verdammt noch mal, AfD ? Und steht auch noch dazu ? Warum wählt er nicht BÜNDNIS90/GRÜNE ? Oder wenigstens irgendeine andere Partei aus dem antifaschistisch-demokratischen Block ?

Aber Siegmar hat die Gelegenheit eher nicht beim Schopf gegriffen. Wir leben in einem System allgemeiner, freier und geheimer Wahlen. Da kann man die Wahlschlepper von der Regierungspartei getrost ignorieren. Außerdem hat Siegmar Wichtigeres zu tun. Er ist grad beim Frisör. Auf Zypern übrigens, wo der 1944 in Heidenau geborene Sohn eines zyprischen Kriegsgefangenen grad ist. Im Land seines Vaters, dem Vaterland sozusagen. Wollen Sie mal sehen ?:

Und dann ist da noch diese besondere Seelenlage der ostdeutschen evangelischen Pastorinnen und Pastoren. Einst wurden wir, Siegmar und ich und 33.753 weitere politische Häftlinge der DDR …

… einst wurden wir durch die Vermittlung dieser Sonntagsprediger gefesselt und in Handschellen aus unserer Heimat verkauft, wie einst Josef von seinen Brüdern.

Heute bekommen die (verdientermaßen?) Angstschweiß, wenn sie einen von uns auch nur sehen.


Das Ganze geht dann so weit, dass sie, allen voran der GRÜNE Pastor Hans-Jochen Tschiche,  in meiner Heimat Sachsen-Anhalt ein Gesetz geschrieben hatten: Aufarbeitungsbeauftragte zur „Aufarbeitung des SED-Unrechts“ soll nur eine werden, die NICHT von den guten Menschen außer Landes verkauft wurde.

Ich bin dagegen mal bis vors Bundesverfassungsgericht gezogen. Mit eher mäßigem Erfolg, wie man sieht.


Hubertus Knabe sollte die Frontlinien eigentlich kennen und einmal, 2002 hatte er sie sogar benannt:

„Als ich Ende der 1970er Jahre, noch als Student, die ersten Kontakte zu kritischen Friedensgruppen in der DDR bekam,“

so führte er am 31. Mai 2002 in einem Impulsreferat zur Eröffnung des 6. Kongresses der Landesbeauftragten für die Staatssicherheit mit den Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig aus …

HIER GEHT’S WEITER

 

Klaus Lederer und sein Yad Vashem

Auf Klaus Lederer, Häuptling der Berliner SED (heute: Die LINKE) …

… auf Klaus Lederer also geht demnächst ein Geldregen nieder. 5,3 Millionen Euro. Na gut, der Geldregen geht nicht auf ihn persönlich nieder. Klaus Lederer ist Vorsitzender des Stiftungsrates

einer „Stiftung Gedenkstätte Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen“. Und der Geldregen geht auf die Gedenkstätte nieder.

Klaus Lederer will für 5,3 Millionen Euro erforschen lassen, wie viele Menschen seine Partei denn nun eigentlich eingesperrt hat in ihren Stasi-Gefängnissen. Hat sie sogar gemordet ? Klaus Lederer hat da keine rechte Übersicht. Und zunächst werden auch nur die mindestens Eingesperrten erforscht. Sonst wären es zu viele.

Die Gedenkstätte Yad Vashem, die in Israel versucht, alle jüdischen Ermordeten des Holocaust namentlich zu erfassen, also diese wird uns als Vorbild für Klaus Lederers Mannen und ihr Vorhaben vorgestellt (Kleiner geht’s ja nicht).

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P.S. Vorigen Monat hat Klaus Lederer einen ehemaligen politischen Gefangenen der DDR aus den Reihen der Zeitzeugen streichen lassen. Er habe den Holocaust und Yad Vashem und so durch unpassende Vergleiche bagatellisiert … tsss … 

 

Erardo Rautenberg auf der Suche nach den Schuldigen

Heute Nacht ist der langjährige Generalstaatsanwalt Brandenburgs, Genosse Erardo Christoforo Rautenberg gestorben.

Möge er ruhen in Frieden und das ewige Licht leuchte ihm.

Er war ein „Kämpfer gegen RECHTS“, Erfinder „einer breiten Front, die vom stramm Konservativen bis zum linksautonomen Spektrum reicht“.

Die (Wieder-)Verschmelzung der Alt-Parteien Brandenburgs zu einem  „Antifaschistisch – Demokratischen Block“ ist maßgeblich sein Werk. 

Mir hatte er mal 6 Monate Haft angedroht, damals, vor 21 Jahren:


1997 – nach den Schuldigen

Den Brief vom Landeskriminalamt des Landes Brandenburg habe ich gelocht und weggeheftet. Sie sollen mich in Ruhe lassen. Die Rechtspflege hat begonnen zu arbeiten. Sie funktionieren, der Herr brandenburgische Ministerpräsident, Manfred Stolpe, und sein Generalstaatsanwalt, Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg. Der Herr Dr. Rautenberg ist ein Genosse aus dem Westen. Er ist nur einer der vielen, die montags bis freitags der Regierung Stolpe in Potsdam dienen, getrennt von ihrer Familie. Vom Trennungsgeld, das Dr. Rautenberg außer seiner Besoldung auch noch bezieht, so wird später in den Zeitungen stehen, vom Trennungsgeld wird das Justizministerium zunächst 5.000 Euro zurückfordern. Genosse Rautenberg wird durchsetzen, dass er das Geld behalten kann. Der Landesrechnungshof wird alles geprüft haben. Was Recht ist, muss Recht bleiben.

Er hat mir schreiben lassen. Ich hätte 1985 vor einem Beamten einer Zentralen

Erfassungsstelle der westdeutschen Justizverwaltungen in Salzgitter ausgesagt. Ich hätte behauptet, ich hätte mit eigenen Augen die Misshandlung eines Mitgefangenen in der DDR-Justizvollzugseinrichtung in Cottbus gesehen.

Ich möge dies auf dem beiliegenden Blatt beschreiben. Ich hätte als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Das sei meine Bürgerpflicht. Bis zu sechs Monaten werde mich der Genosse Rautenberg in Zwangshaft nehmen, wenn ich nicht aussagen würde.

Was geht das alles mich an? Die Sache ist 13 Jahre her. Damals, als ich die Aussage zu Protokoll der Erfassungsstelle Salzgitter gab, forderten die Genossen im Westen, die „obsolete Institution“ zu schließen. Wegens dem „Geiste deutsch-deutscher Entspannung“ und so.

Was soll heute des Genosse Rautenbergs Wichtigtuerei?

Den Brief habe ich gelocht und weggeheftet und dann noch den zweiten. Er hat mir noch einmal schreiben lassen, 6 Monate in Beugehaft könne er mich nehmen…

Den dritten Brief erhalte ich nicht mit der Post. Im Büro in Leipzig erhalte ich einen Anruf von daheim. Zwei junge Beamte des Landeskriminalamtes Brandenburg stehen in unserer Wohnung und wollen mich vernehmen. „Gib mal das Telefon. – Hallo ?“ Ja also gut, ich werde tun, was ihr Chef von mir verlangt. „Nennen Sie mir ein Hallesches Polizeirevier Ihrer Wahl“ sage ich, als wolle ich zum Duellieren. „Ich werde erscheinen.“

In der Woche darauf sagt der Pförtner des Polizeireviers Halle – Mitte, eine alter Herr mit dickem Genosse – Volkspolizisten – Bauch: „Da filln se ma aus, wesweechen se hier sin.“ – „Eine Zeugenaussage.“ sage ich.

„Zeuchenaussaache, wesweechen ?“ – „Steht doch drauf: Körperverletzung.“ – „Wann gewäsn, wo ?“ – „Weiß ich nicht, werde ich schon erfahren.“ – „Na. das missen’se doch wissen. – Dän Zeddel hier nehm se midd hoch un da lassen’se sich druff eintraachen, was se jesaacht ham. Un dann gähm se dähn hier widder ab un dann gommd der in mei Buch.“

Ich gehe die zwei Treppen hinauf und dort warten auf mich zwei jüngere Brandenburger Kriminalkommissare. Nein, sie werden mir auf den Zettel nicht eintragen, dass ich hier als Zeuge in Sachen Staats- und Regierungskriminalität der DDR geladen bin. „Ich bin Beamter des Landes Sachsen-Anhalt.“ sage ich. „Ich kann morgen zur Polizeidirektion Halle versetzt werden und es würde mich sogar reizen. Ich würde dann mit allen ehemaligen Volkspolizisten in diesem Haus gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten müssen.“ Ich wolle nicht, dass irgendeiner in diesem Haus erfahre, dass ich in Sachen Staats- und Regierungskriminalität der DDR geladen sei.

Der jüngere der beiden Kriminalkommissare, etwa 25 Jahre alt, will mit mir darüber diskutieren. Der Ältere, etwas über dreißig sagt zu ihm: „Es ist des Zeugen Wunsch und das werden wir respektieren.“

Dann beginnen sie und der Ältere versteht sein Handwerk.

„Wir haben die Justizvollzugsakten gelesen.“ sagt er. „Hier, diese Kopie wird Sie sicher erfreuen. Es ist ein Bericht über Sie, als Sie sich an einem Samstag mit einem weiteren Mitgefangenen weigerten, einen zusätzlichen Arbeitseinsatz zu Ehren der Republik zu fahren. Sie beide waren die einzigen von 760 Gefangenen. Waren alle 760 politische Gefangene?“ Ich zucke mit den Schultern. „Wahrscheinlich.“ sage ich. Und: „Held zu sein ist keine Pflicht. Außerdem tut Held sein müssen immer weh. Wir hatten dann beide halt keine 50,- DDR-Mark im Monat für Einkäufe, sondern nur noch 5,-. “

Ja also, meine Aussage … Zunächst die Belehrung: Sechs Monate Zwangshaft… Falschaussage, Meineid, Freiheitsstrafe, nicht unter einem Jahr…

Schon gut, schon gut sage ich. Ich sei Volljurist, Beamter in der Landes-Innenverwaltung. Sie könnten einiges bei mir voraussetzen. Wo solle ich die Belehrung unterschreiben?

Ja, an das Ereignis erinnere ich mich gut. Im Zugang zum Zellentrakt hätten wir gestanden. Dort hätten wir gesehen, wie der Haftkamerad Andreas R. aus dem Zellentrakt gegenüber ins Treppenhaus geschleift worden sei.

Auf den am Boden liegenden hätten sie mit ihren Polizeistiefeln eingetreten.

Zum Gitter, das uns vom Treppenhaus trennte, seien wir gelaufen und hätten geschrieen zu den Genossen Volkspolizisten: „Ihr Nazis, Ihr Nazischweine!“ „Gitter II“ heißt die Ermittlungsakte, die die beiden Kriminalkommissare vor mir bearbeiten.

„Wie viele Gefängnisaufseher sind es gewesen ?“ fragt der Ältere. „Drei.“ weiß ich.

„Ja, das haben Sie auch für Salzgitter angegeben. Wann haben Sie das gesehen? Ich meine – an welchem Datum?“. „An einem Sonntag.“ erinnere ich mich. „An einem Sonntag, denn wir hatten arbeitsfrei. An einem Sonntag im Februar 1985, denn im Januar war ich im Arrest und im März war ich auf Transport nach dem Westen. Haben Sie einen Kalender von 1985 ?“ Sie haben und ich denke angestrengt nach. Dann nenne ich ein Datum: „An diesem Tag war es.“ – „Das deckt sich mit anderen Aussagen.“ sagt der jüngere und: „Was trug der Mitgefangene Andreas R. an Kleidung?“ – „Sie haben ihn aus seinem Bett geschleift. Man sagte, er habe 40 Grad Fieber gehabt und nicht aufstehen wollen, als die Gefängnisaufseher die Zelle betraten. Ja, natürlich, er trug ein Nachthemd.“

Der Ältere öffnet ein Fotoalbum. „Ihrer Beobachtung nach drei Gefängnisaufseher,“ so sagt er, „haben den Herrn Andreas R. misshandelt. Hier habe ich Ihnen ein Buch mit den Fotos aller damals dort Dienst tuenden Gefängniswärter. Nehmen Sie sich Zeit. Wer waren die Täter?“

Ich blättere und blättere … „Wie viele Fotos sind das noch?“ frage ich. „Zweihundertzweiundsiebzig insgesamt.“ sagt der Ältere der beiden Kriminalbeamten. Nach einer viertel Stunde zucke ich mit den Schultern. „Es hat keinen Sinn.“ sage ich. „Es ist 13 Jahre her. Ich weiß es nicht mehr.“ Sie bohren. Aber ich weiß es nicht.

„Also gut.“ sagt der Ältere, „die Befragung ist beendet. – Wir haben eine Tagebuchnotiz des Hauptwachtweisters Horst Jahn in seinem Diensttagebuch gefunden: „Habe heute gegenüber dem Strafgefangenen Andreas R. vom Schlagstock Gebrauch machen müssen.“ hat er geschrieben, Datum Sonntag, Februar usw. Einen jedenfalls hätten wir.“ – „Können Sie den Herrn Jahn auf den Fotos ausmachen?“ fragt der Jüngere. Nein, ich kann nicht. Es ist 13 Jahre her. „Herr Jahn trug bei Ihnen den Spitznamen „Arafat“. Können Sie vielleicht Arafat in diesem Fotoalbum bezeichnen?“ Sicher, Arafat sagt mir etwas, aber wie er aussah? Ich schüttele den Kopf. Es ist 13 Jahre her und es gab wichtigere Gesichter in dieser Zeit als das von Arafat.

„Hat er dunkle oder blonde Haare? Einen hellen oder dunklen Teint?“ fragt der Ältere und dann will er mir wohl auf die Sprünge helfen: „Könnte der Spitzname auf ein Äußeres hinweisen?“

„Welche Charaktereigenschaften, welches Auftreten gegenüber wehrlosen Menschen hat dem Herrn Jahn, zusätzlich vielleicht zu seinem Äußeren, den Spitznamen Arafat eingebracht?“ das will der jüngere der beiden Kriminalkommissare wissen. Und: „Denken Sie dabei an Yasser Arafat!“

„Yasser Arafat,“ platzt es aus mir heraus. „Yasser Arafat ist ein Friedensnobelpreisträger. Ach lassen Sie mich doch mit all diesem Krempel in Ruhe. Die Mörder von gestern sind die Friedensengel von heute und Folterknechte werden über Nacht Beamte der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung. Wofür bestrafen Sie denn nun den Herrn Jahn?“ frage ich erregt. „Weil er Menschen misshandelt hat? Nein, weil er so einfältig, weil er so ehrlich war, das schriftlich niederzulegen. Die beiden anderen, die das nicht taten, gehen straffrei aus. Sie werden sie nicht finden. Nicht einmal einen Verdacht werden Sie zusammenbekommen.“ Die kalte Wut steigt in mir hoch. „Und dem Vorgesetzten des Herrn Jahn, dem Herrn Oberleutnant, der die Pflicht hatte, das Diensttagebuch des Herrn Jahn zu lesen, der hätte nachfragen und unterbinden müssen… Was tun Sie dem? Gefangene zu misshandeln war auch in der DDR verboten. Was tun Sie dem? Dem tun Sie nichts. Der ist heute ein unbescholtener Beamter des Landes Brandenburg und seine Dienstjahre als Foltermeister in der DDR zählen alle mit zur Berechnung seines Besoldungsdienstalters. Der trägt die goldenen Ketten, nicht die eisernen. In die eisernen hängt man immer nur die Kleinen. Die Grenzsoldaten, die IM’s, die kleinen Schließer im Gefängnis.“ „Das habe ich dem zuständigen Staatsanwalt bereits gesagt, Herr Walther.“ sagt der Ältere der beiden Kriminalkommissare tonlos. „Allerdings in einem höflicheren Ton als Sie.“ – „Und ?“ will ich wissen. „Der Generalstaatsanwalt hat kein Interesse an einer Verfolgung über die Ebene der unmittelbaren Täter hinaus.“

„Verstehen Sie wie das damals war in diesem perversen System?“ versuche ich zu erklären. „Da war der Andreas R., da war ich, da waren all die anderen blutjungen Frohnaturen, die wir uns den Hintern abwischten mit Sozialismus und den Gesetzen der Deutschen Demokratischen Republik. Für uns fuhr dann der Bus nach Gießen in den Westen. Dorthin, wohin all diese armen Wichte von Gefängniswärter doch auch gern gefahren wären.

Treu dienten sie der DDR und die belohnte sie dafür mit einer Plattenbauwohnung. Und mit einem Auto aus Pappe. Für das mussten sie sich erst einmal anmelden und dann durften sie 15 Jahre darauf warten.

Und wenn wir gut drauf waren, dann sagte der eine oder andere von uns zu Ihnen: „Lass mal wieder Dampf ab, Hauptwachtmeister. Dann schicke ich Dir in sechs Monaten auch eine schöne bunte Ansichtskarte von den Kapverden.“ Verstehen Sie, wie das damals war in diesem perversen System? Verstehen Sie, warum Folterknechte tun, was sie tun? Sie prügeln ihre Wut hinaus, die eine Wut ist über ihr eigenes, verpfuschtes Leben.“

„Alles verstehen,“ sagt der ältere der beiden Kriminalkommissare, „heißt alles verzeihen. Und das ist nicht der Beruf der Strafverfolgung.“

„Mag sein.“ sage ich. Und „Lassen Sie sich nicht demotivieren.“ Und „Auf Wiedersehen.“ Den Brief vom Landeskriminalamt des Landes Brandenburg hatte ich doch schon gelocht und weggeheftet. Sie hätten mich in Ruhe lassen sollen.


Die Gerichtsverhandlung ist fast eineinhalb Jahre später.

In der Anklagebank vor dem Landgericht Cottbus steht ein stämmiger alter Mann, dem man ansieht, dass er einmal ein Kraftpaket gewesen sein muss unter seinen jetzt schlohweißen Haaren.

Er steht tatsächlich allein. Zwei weitere Angeklagte gibt es wirklich nicht. Dass die beiden, die ebenfalls angeklagt sein müssten, höchstwahrscheinlich im Raum sind, werde ich bald zu vermuten haben.

„Zeuge Walther“, sagt der Vorsitzende Richter der Strafkammer. „Sie sind aufgefordert, zunächst Ihre Personalien anzugeben. Geboren am? In ? Tätigkeit ? Beamter ? Wo ?“ – „Ich bin Beamter in der Innenverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt.“ sage ich. Erst jetzt bemerke ich die etwa zwanzig alten Herren hinter mir auf der Zuschauerbank. Einige sind noch im Dienst und tragen ihre Justizvollzugsuniform. Ich bemerke sie jetzt, weil ich mich umgedreht habe, als sich das unruhige Gemurmel in meinem Rücken verbreitete. „Der junge Mann will offensichtlich noch etwas werden im vereinigten Deutschland.“ zischelt es unter ihnen, als ich wieder nach vorn schaue. Mit dem jungen Mann bin ich gemeint. „Zeuge Walther,“ sagt der Richter, dessen Dialekt die Herkunft aus dem Land der Trennungsgeldempfänger verrät, „Zeuge Walther, schildern Sie, was Sie an jenem Sonntag im Februar 1985 gesehen haben.“ Ich schildere es und als der Richter mich fragt, ob der Angeklagte einer der drei Schläger gewesen sei, muss ich mit den Schultern zucken. „Dessen kann ich mich nicht erinnern, Herr Richter, es ist 13 Jahre her.“

„Hab ich’s nicht gesagt.“ höre ich es hinter meinem Rücken raunen: „Nicht einmal richtig begründen können die ihre Lügen.“

Der Staatsanwalt befragt mich. Er schwätzt irgendetwas über posttraumatische Belastungsstörungen des Großhirnsystems infolge politischer Haft. Und dass er darüber bestens Bescheid wisse und sicher auch Verständnis habe für meine geistigen Defizite. Auch der Herr Staatsanwalt ist so ein Neunmalkluger, auch er kommt dort her…. Ich solle mich konzentrieren, sagt er. War er’s, der Angeklagte, oder war er’s nicht? Aber auch wenn er mich in seine sechsmonatige Beugehaft sperren würde: „Es ist dreizehn Jahre her, ich kann mich nicht erinnern.“

„Zeuge Walther“ sagt der Richter. „Wenn meine Frau mir vor dreizehn Jahren mein Bier weg getrunken hätte, sicher, ich hätte es vergessen. Aber hätte mich meine Frau vor dreizehn Jahren drei Tage im Keller eingesperrt, ich könnte mich doch an jede Einzelheit erinnern!“ – „Wenn Ihre Frau Sie nicht drei Tage, sondern drei Jahre im Keller eingeschlossen hätte,“ sage ich. „Herr Richter, Sie wüssten keine Einzelheiten mehr.“

Das Gericht wird beraten. Der Herr Jahn wird verurteilt werden. „Die Bestie von Cottbus“ wird in den Zeitungen stehen. Der Genosse Rautenberg wird zufrieden schlafen und der Genosse Stolpe auch.

Das Strafurteil werden Sie mir zusenden. Ich werde es lochen und wegheften. Sie hätten mich damit in Ruhe lassen sollen.

 

Woran nimmt die Seele Schaden … ?

Jesus Christus spricht (Matth. 10, Vers 27 und 28):

Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was ihr hört in das Ohr, das predigt auf den Dächern.
Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann . 


Christoph Dieckmann ist ein aufmerksamer evangelischer Theologe. Seine durchdringenden Notizen zu meinen Haftkameraden, die heute in der Alternative für Deutschland, AfD, aktiv sind, finden Sie auch in der ZEIT. Meist steht unter einem dortigen AfD-Bashing (z.B. hier) der Nachsatz:


„Haben Sie Informationen zu diesem Thema?

Oder zu anderen Vorgängen in Politik und Wirtschaft, von denen die Öffentlichkeit erfahren sollte? Wir sind dankbar für jeden Hinweis.

Dokumente, Daten oder Fotos können Sie hier in unserem anonymen Briefkasten deponieren.


Christoph Dieckmann ist ein aufmerksamer evangelischer Theologe. Und soooo neugierig. Von seiner Westreise, die ihm die Stasi 1987 (wie fast allen Pastoren) genehmigte, berichtet er uns hier… 

Über uns ehemalige politische Gefangene der DDR, die wir zumeist einzig deswegen  einsaßen, weil wir auch mal gen Westen fahren wollten

Über uns ehemalige politische Gefangene der DDR befindet der Seelenheilserbringer:


„Opfer zu sein, bedeutet einen Schaden davon getragen zu haben, einen Verlust an … der Seele. Da spricht man … ein pöbelhaftes … Sprechen, das den Redner disqualifiziert.“


Das allerdings lieber Theologe Dieckmann, ist falsch.

Vom Kriechgang nimmt die Seele Schaden. Vom Denunzieren.

Vom aufrechten Gang niemals.

Siegmar Faust und das Große und Ganze

EIN OFFENER BRIEF AN

Herrn Hubertus Knabe

Genslerstraße 66

13055 Berlin


Lieber Hubertus Knabe,

wenn ich mir den Rauswurf meines Haftkameraden Siegmar aus der Gedenkstätte so recht betrachte, fällt mir eine Geschichte ein. Eine Geschichte zu einer Szene in der DDR,  von der kaum jemand weiß, dass es auch sie gab im Arbeiter- und Bauern-Staat:

Demeter, Weleda und Eurythmie – die Anthroposophen.

Der Gründungshof der biologisch-dynamischen Landwirtschaft liegt östlich von Ostberlin. Natürlich war er ein Fremdkörper im Staat der SED. So fremd wie eine Gedenkstätte Hohenschönhausen dem Berliner Frontmann der LINKEN, Klaus Lederer fremd ist.

Wir schrieben das Jahr 1982, ich war 21 Jahre alt und ich war ein gerade aus Brandenburg entlassener Stasi-Häftling. So zog ich auf den Demeter-Hof. Nein, ich suchte nicht irgendeinen Job. Die „Wiedereingliederung“ auch ehemaliger politischer Gefangener in die Volkswirtschaft der DDR war ja straff organisiert. Den Stadtpark sollte ich eigentlich hüten nach dem Willen der Genossen in der Stadtwirtschaft zu Weißenfels. Aber das wollte ich eben nicht.

Ich wollte lieber Petersilie züchten nach den Aussaattagen von Maria Thun, lieber morgens um 4:30 Uhr den Kühen ihre homöopathischen Globoli nach Samuel Hahnemann verabreichen und fein vermahlenen Quarz samt dem Horn einer Kuh im Boden vergraben. Letzteres vermittelt Lichtenergie und fördert harmonische Wachstums- und Reifeprozesse, wissen Sie das, Hubertus Knabe ?

Ich hatte einen Antrag auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der Deutschen Demokratischen Republik gestellt und in diesen Sachen standen die SED-Kreisleitungen leider im sozialistischen Wettbewerb. Der erste Sekretär der SED-Kreisleitung zu Weißenfels rieb sich über meinen Wegzug nach Norden die Hände. Er hatte jetzt die Zahl der „Übersiedlungsersuchenden = ÜSE“ im Kreis um 4,347 % gesenkt. Diesen Erfolg musste er gleich ans Zentralkomitee melden. Freudig ließ er die neue Adresse in meinen Ausweis, den „PM 12“ eintragen.

Die SED-Kreisleitung zu Fürstenwalde hingegen sah die Zahl ihrer „Übersiedlungsersuchenden = ÜSE“ nun um 7,142 % erhöht. Und das wollten die keineswegs ans Zentralkomitee melden müssen.

Wettbewerb ist eine harte Sache, lieber Hubertus Knabe. Sozialistischer Wettbewerb gleich ganz. Also erschien der Genosse Abschnittsbevollmächtigte des Volkspolizei-Kreisamtes zu Fürstenwalde auf dem Hof. Bis zu seinem antifaschistischen Schutzwall, seiner Friedensgrenze zwischen Ost und West, so erklärte er den Bio-Bauern, seien es ja nur ein paar Kilometer. Und der Bodo Walther (also ich), sei ja hier auf diesem Hof, um diese Friedensgrenze zu verletzen.

Außerdem war ich dieses Verbrechens bereits vorbestraft.

Damals, lieber Hubertus Knabe, als Klaus Lederers LINKE noch SED hieß, war die Verletzung der Friedensgrenze das schlimmste Verbrechen, das es geben konnte. Der Weltfrieden wurde dadurch gefährdet. Den Atomkrieg konnte so was auslösen. Stellen Sie sich vor, lieber Hubertus Knabe, Sie würden in Hohenschönhausen unter den Augen von Anton Hofreiter gewöhnliche Glühbirnen benutzen und keine Energiesparlampen. Stellen Sie ich vor, Sie würden gar noch leugnen, dass sie damit die Sturmflut am Müggelsee und die Dürrekatastrophe in der Wüste Namib verursacht haben, sie würden als KLIMALEUGNER entlarvt werden. … Ja, so ähnlich war das damals mit der Verletzung der Friedensgrenze.

Und weil Gefahren von der Staatsmacht gebannt gehören, so erklärte der Genosse Abschnittsbevollmächtigte damals den Biobauern, müsse er nun jeden Freitag nachmittags auf den Hof zum Gucken kommen. So lange, wie der Bodo Walther (also ich) da nun herumläuft.

Das war sehr misslich, lieber Hubertus Knabe

Freitags nach eins begab sich nämlich ab und an einer der Erleuchteten aus dem Rudolf-Steiner-Haus in Berlin-Dahlem auf die Podbielskiallee. Er fuhr dann mit der S-Bahn und einem Tagesschein nach Ostberlin rüber und bis an die Stadtgrenze Erkner. Von dort aus gab es den Bus des VolksEigenen Betriebes, VEB Kraftverkehr Fürstenwalde bis zum Scharmützelsee und nach 15 Minuten Fußmarsch durch den Wald war man auf dem Hof.

Und dieses war sehr gesetzeswidrig. Nach der „Verordnung über Besuche von Bewohnern des selbständige politische Einheit Westberlin mit Einreise nach Berlin, Hauptstadt der DDR“  kurz „Besucherordnung“ berechtigte ein „Tagesschein“ nur zur Fahrt bis zur Ostberliner Stadtgrenze in Erkner. Eine Weiterfahrt verstieß gegen §§ 2,2, 5,2 und 6,1 der Besucherordnung.

Aber die Kiefern wuchsen damals noch dichter in der Mark Brandenburg als heute und ein Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei musste ja nicht jeden gesehen haben.  Freitags nach eins macht jeder seins. Er könnte es aber  mal sehen wollen … Schon allein wegen des Weltfriedens und auf dass kein Atomkrieg ausbricht.

Ja, und so lag am nächsten Morgen um 5 ein Blatt vom Martin neben meiner Müslischüssel. Auf dem stand:

„Lieber Bodo,

anbei der Auflösungsvertrag. Er ist mit den anderen Mitgliedern der Hofgemeinschaft abgestimmt. Die Heuernte im Juni werden wir anders besetzen. …“

Ja, der Hof war ein Fremdkörper im Staat der SED. So fremd wie eine Gedenkstätte Hohenschönhausen dem Frontmann der Berliner LINKEN, Klaus Lederer fremd ist.

Darf man einen Menschen opfern, um „das Ganze“ zu erhalten ? Ist „das Ganze“ dann noch ganz ?

Mit freundlichem Gruß

Bodo Walther

P.S.: Sie wissen so gut wie ich, Hubertus Knabe, dass ein Zeitzeuge die Zeit bezeugt. Das ist die Anforderung an ihn. NUR das. Und um Friedensgrenzen, Atomkriege, Leugnereien, Besucherordnungen oder sonstige Heißluftballons, die der Klaus Lederer aufbläst, geht es NIE.

Beigeraten

Räte gibt es an vielen Bundesbehörden und es gibt auch einen Beirat der Stasiunterlagen – Behörde , in den nun auch ich gewählt bin:

Es war nur eine kurze Zeit in den 1990er Jahren, dass die Politik uns, die ehemaligen Stasihäftlinge für fachkunig hielt, zur Stasi eine Erfahrung und fundierte Meinung zu haben. Heute ist dies bei den Altparteien vollständig aus der Mode gekommen. Erstaunlich, wer dort alles als „Stasi-Experte“ gehandelt wird.

Um so dankbarer bin ich meinen Freunden von der Alternative für Deutschland, AfD, dass sie mich, einen ehemaligen Stasi-Häftling in den Beirat gesandt haben.

Danke an die Fraktionssprecher meiner Partei im Bundestag,

danke an meinen Parteifreund Frank Pasemann

und meinen Landesvorsitzenden Martin Reichardt und zum Schluss und nicht zuletzt: Danke an meinen Freund Siegbert Droese,

der mir von Anfang an Mut dazu machte.


P.S.:

Was ich im Beirat will, steht da …

„Jenseits des Grundgesetzes – Warum das Stasiunterlagengesetz nicht >>verlängert<< werden darf“, LKV  2015, S. (PDF / 1,2 MB)…

… und da:

„Wohin mit den Stasi-Akten ? – Die Neugier des Forschers und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, DuD 2016, S. (PDF / 2 MB)